Ein interessanter Beitrag aus verschiedenen Blickwinkeln:
https://taz.de/Eskalation-in-Nahost/!5962381/
Was sagen die Menschen vor Ort zur Gewalt zwischen Israel und Hamas? Ein Dekan aus Gaza, eine israelische Siedlerin und ein Reservist berichten...
Der Dekan:
…Eine Eskalation wie die jetzige haben wir noch nicht erlebt. Diese Widerstandsaktion der Hamas, dass sie den Zaun durchbrechen und in israelische Siedlungen eindringen konnten, das hat uns überrascht. Ich hoffe darauf, dass Israels rechtsextreme Regierung daran zerbrechen wird.
Ich rechne mit einer sehr heftigen Antwort Israels, die wiederum zu neuen Angriffen der Hamas führen wird…
Die Siedlerin:
…Ich weiß nicht, wie es hier weitergehen soll. Diese Dörfer, in denen die Hamas Menschen umgebracht und entführt hat, werden nie wieder dieselben sein. Viele Leute werden nicht zurückkehren und ihre Kinder aufziehen, wo ihre Freunde oder Nachbarn abgeschlachtet wurden. Wir vertrauen unserer Regierung nicht mehr, es hat jedes Gefühl von Sicherheit zerstört.
Nach dem, was sie mit uns gemacht haben, will ich, dass die Armee etwas Drastisches unternimmt. Ich will, dass es diesmal nicht bei Luftangriffen bleibt. Ich will, dass sie jedes Mittel einsetzen, um auch den letzten Hamas-Anhänger zu treffen, selbst wenn es auf Kosten Unschuldiger geht…
Der Reservist:
…Doch diesmal ist es anders. Ich habe den Feiertag am Samstag mit meiner Partnerin bei ihrer Familie verbracht. Zu sehen, wie sich alles entwickelt hat, war schockierend. Wir kennen den üblichen Ablauf, es ist wie eine düstere Routine: Die Hamas oder die anderen Organisationen schießen Raketen, dann gibt es Luftangriffe und am Ende verhandelt Katar oder Ägypten einen Waffenstillstand. Aber seit klar wurde, was dort passiert ist, bin ich extrem wütend und traurig. Was wir erleben, ist anders als alles, was ich je erfahren habe. Ich glaube, selbst meine Eltern haben nie eine derart schlimme Situation erlebt.
Ich kann nicht ignorieren, wie viel Macht unsere Politiker in den letzten 15 Jahren über die Situation hatten und wie ihre Politik der Hamas dabei half, zu wachsen. Dass es sehr wohl Chancen und Möglichkeiten gab, einen Dialog mit vernünftigeren Stimmen in der palästinensischen Gesellschaft zu suchen. Dass sie hätten verhindern können, dass sich eine Situation wie jetzt in Gaza jemals hätte so entwickeln können.
Und wo war die Armee jetzt, als es passiert ist? Offenbar war ein Großteil im Westjordanland damit beschäftigt, Siedler dabei zu schützen, wie sie ihre Gottesdienste vor Palästinensern abhalten. Es ist verrückt, wie dünn besetzt die Grenze zu Gaza gewesen sein muss...