Ich folge ja schon länger Mirko Lange* auf FB. Der hat einen sehr schönen, unaufgereten, analytischen Stiel . Hier ein aktueller Beitrag:
Ich glaube ja, dass sich die Stimmung bald drehen wird.
Der Spiegel schreibt: "Das Völkerrecht ist kein pazifistisches Manifest. Es plädiert nicht nur für Frieden, im Gegenteil, es gesteht Staaten sogar manchmal zu, Krieg zu führen, um sich gegen einen Angriff zu verteidigen und legt die Regeln fest. Das brutale Hamas-Massaker ist so ein Angriff. Und trotzdem gibt es für einen solchen Krieg Grenzen. Zivilisten sind zu schonen. Diese Pflicht ist absolut."
Und weiter: "Die Verletzung des humanitären Völkerrechts aufseiten der Hamas rechtfertigt keine Verletzung dieses Rechts durch Israel."
Aber auch: "Tatsächlich nutzt Hamas Zivilisten als Schutzschilde, baut Stellungen in Wohngebieten und feuert von dort Raketen ab. Die islamistischen Terroristen verstoßen damit eindeutig gegen das Kriegsvölkerrecht. Doch auch hier sind die Regeln des Krieges eindeutig: Es reicht nicht, eine pauschale Warnung auszusprechen und Menschen zur Flucht aufzufordern, bevor man tonnenweise Sprengstoff über einem Wohnblock abwirft. Insbesondere dann, wenn es – wie in Gaza – keine sicheren Gebiete gibt."
Und: "Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit im humanitären Völkerrecht verlangt eine Abwägung zwischen dem antizipierten militärischen Vorteil und den unvermeidlichen Folgen für Unbeteiligte. Rechtfertigt es die hohe Zahl der Opfer, wenn Israel Hamas-Kämpfer ausschalten will?"
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Noch stehen wir als Land aus Staatsräson hinter Israel. Und auch die Bevölkerung Deutschlands steht klar zu Israel, wegen der geköpften Kinder. Und aus voller Solidarität zu den tollen Jüdinnen und Juden. Und auch, weil wir denken "was soll Israel denn auch tun"?
Aber es wird mit jedem Tag deutlicher, was sich schon seit dem ersten Tag andeutet: Israel geht genau dort hin, wohin Israel vom ersten Tag an gesagt hat, dass es gehen werde: zu weit.
Für die 2,2 Millionen Menschen in Gaza ist das ein purer Albtraum. Eine Apokalypse. Und auch in Israel selbst werden die Stimmen gegen das Vorgehen und die Spirale der Gewalt immer lauter. Israel hat keinen Plan für die Zeit danach. Viele sehen die Hamas auch nicht als Gruppe von Menschen, sondern als Idelogie, die man gar nicht töten kann. Eher im Gegenteil. Der sicherste Weg, die Hamas immer stärker zu machen, ist das Unrecht gegen die Palästinenser immer weiter zu verstärken.
Die internationale Diplomatie sieht das schon länger so. Und zwar ziemlich eindeutig. Deswegen hat die UN mit einer ganz großen Mehrheit eine Resolution erlassen, die Israel aufgefordert hat, zumindest eine Feuerpause einzulegen. Nur 14 von 179 Länder haben dagegen gestimmt, unter ihnen Papa-Neuguina, Paraguay, Ungarn, Guatemale und Tschechien. Und die USA. Das alles auf Antisemitismus zu schieben, ist absurd. Schlimmer noch: Es war schon eine viel härtere Resulition auf dem Tisch, die Israel scharf verurteilen sollte. Barbock hat sich nur enthalten, weil sie Israel nicht düpieren wollte.
Das Massaker der Hamas an Israelis am 07. Oktober war brutalst. Israel ist auf bestem Wege, die Brutalität und das Barbarische noch weit zu übertreffen.
Das Fatale: Je deutlicher die Isolierung Israels wird, je stärker klar wird, das Israel zu weit geht, und je mehr Kriegsverbrechen im Raum stehen, desto mehr werden die Wut und die Hilflosigkeit der Palästinenser und Araber. Und ich frage mich: Wenn es einem ernst ist, wirklich ernst, Jüdinnen und Juden zu schützen, wie kann man da Israel verteidigen wenn und falls sich die Welt einig ist, dass Israel Kriegsverbrechen gegen Palästinenser und Araber begeht?
Und noch schlimmer: Die Weltgemeinschaft wird irgendwann das Recht verlieren, ähnlich brutale Vorgehen anderer zu verurteilen. Die Weltgemeinschaft wird Glaubwürdigkeit verlieren.
Was, wenn das Narrativ, dass Israel ja gar nicht anders könne, also die Hamas radikal zerstören, zu einem großen Teil schlichtweg Propaganda ist? Sie ist ja nützlich. Wer das glaubt, wird jede Brutalität der Israelis gutheißen. Es geht ja immerhin darum, ein Monster zu zestören. Und dafür muss man Opfer bringen. Wie praktisch, dass sie Opfer ja so gut wie alle Palästinenser und Araber sind.
Der Artikel berichtet von Militäranalyse, die nahe legen, dass Israel lügt. Und die Armeeführung entscheidet jeweils völlig selbständig und völlig ihne Kontrolle, ob sie einen Schlag für verhältnismäßig hält. Ganz alleine. Das Uno-Hochkommissariat für Menschenrechte setzte am Tag nach dem Luftangriff in Dschabalia einen Tweet ab, in dem sie Israel vorwarfen, womöglich Kriegsverbrechen zu begehen.
Ein weiteres Zitat aus dem Spiegel Artikel: »Die meisten Israelis denken, dass wir nach dem, was passiert ist, das Recht haben, zu tun, was wir wollen, und dass es keine Grenzen gibt. Kein internationales Recht, keine Moral – nichts.«
Und: "Die Gewalt radikaler Siedler gegen die palästinensische Zivilbevölkerung eskaliert im Wetsjordanland. Nach Angaben der UN haben sich die Übergriffe seit dem 7. Oktober auf durchschnittlich sieben pro Tag mehr als verdoppelt. Palästinenser werden dort von Israelis misshandelt, gefoltert und getötet. Man könne heute ins Westjordanland gehen, eine Waffe nehmen und einen Hirten töten, sagt Levy, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden."
Wie soll man Juden auf der ganzen Welt die Angst nehmen, auf der Straße angegriffen zu werden, wenn Juden selbst andere auf der Straße nicht nur angreifen sondern foltern und töten?
Ich glaube ja, dass sich die Stimmung bald drehen wird.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Deutschen Bevölkerung so verbohrt ist, das nicht zu erkennen. Denn so langsam wird das ganze Ausmaß der Zerstörung deutlich, das Israel anrichtet. Es ist kein "Krieg der Bilder" heißt es immer. Aber es sind nicht nur Bilder. Das ist real.
https://www.spiegel.de/ausland/die-bodenoffensive-der-israelis-und-die-situation-in-gaza-a-d1212df4-2e34-4a02-a894-b1e978377ab0
*https://pages.scompler.com/mirko-lange#:~:text=Mirko Lange ist einer der,%2C darunter acht DAX-Unternehmen.