Zuvor eine kleine Einleitung.
Wir befinden uns in den späten 80ern. Mit 15 oder 16 Jahren beginne ich, mich für Automobile, und hier im Speziellen für Modelle der Marke Citroen, zu interessieren.
Was genau es war, das mein Interesse weckte, kann ich nicht präzis sagen. Mein Vater fuhr seit jeher mehrere Renault 16 in allen möglichen Farben und später Renault 20. Meine Mutter hatte einen gelbgrünen Renault 5 der ersten Generation. Insofern könnte man von einem gewissen Maß frankophiler Prägung sprechen, die bis zu ihrem jähen Abbruch Mitte der 80er in Form von VW Caravelle und Polo C bereits zu dieser Zeit nachhaltige Auswirkungen auf mich hatte.
Als Initiale Ereignisse für die Citroen-Faszination sind mir drei Momente in Erinnerung:
1. Eine Szene aus einem Derrick-Krimi, in dem ein Closeup der Lupentacho-bestückten Instrumenteneinheit des CX Break eines Protagonisten während einer rasanten, offenbar suizidal inspirierten Fahrt, begleitet von klassischer Musik, zu sehen ist. Dieser Tacho war so andersartig – faszinierend!
2. Ein CX Familiale, an welchem ich zu mehreren Gelegenheiten auf meinem Schulweg vorbei kam, und der nach meinem damaligen Dafürhalten ungewöhnliche drei Sitzreihen in Fahrtrichtung aufwies, die zudem noch verdammt bequem aussahen – unglaublich!
3. Der 1980er GSA Club des damaligen Lebensgefährten, heutigen Ehegatten meiner Cousine: Außen Tamarin-Grün, innen grün (mit wegen zerfetzter Sitzbezüge übergeworfener grüner(!) Karo-Decken) mit grünem Lupentacho. Ein rostiges und ungepflegtes Post-Studenten-Auto mit ausgebauter Rückbank (zur Laderaumvergrößerung, denn der GSA wurde hauptsächlich zum Transport von elektronischem Band-Equipment benötigt, wenn mal wieder „Mucke“ angesagt war.
Ein Schüler-Praktikum in einer freien Citroen-Werkstatt, auf das die meisten irritiert reagierten („warum willst Du als Abiturient Mechaniker werden?“), brachte mich der Technik näher und ließ mich erste praktische Erfahrungen in Richtung Karosseriearbeiten sammeln (ich durfte während der zwei Wochen unter anderem einen kompletten Renault 18 Nevada für die anstehende Lackierung nass schleifen, und wohnte der Unfallinstandsetzung eines CX Pallas bei).
Den Weg in die „Szene“ fand ich ausgerechnet über meine Mutter, die eines Tages auf dem Schulparkplatz ihrem Lehrer-Kollegen in einer DSpécial in Vert Muscinée begegnete.
„Ruf den Gerd gerne mal an, der würde sich freuen“, waren ihre ermunternden Worte, die sie noch bereuen sollte.
Jener Gerd (rechts im Bild von ca. 1995 zu sehen und leider letztes Jahr verstorben) war Mitglied der damals existierenden Citroen DS Interessengemeinschaft Hannover, die sich jeweils am dritten Freitag in einer verräucherten Sport-Gaststätte (es war 1989) traf.
Dorthin mitgenommen, lernte ich eine Reihe Verrückter kennen und wähnte mich im Himmel (oder waren es doch nur die grauen Rauchschwaden kollektiven Zigaretten-Konsums?).
Der damalige Vorsitzende des Stammtisches lud mich in seine Halle ein, in der er samstags an eigenen und befreundeten DS und CX herumschraubte.
Dort konnte ich erste praktische Schrauber-Erfahrungen mit D-Modellen sammeln und durfte mir auch das eine oder andere Mal solch ein Auto mit nach Hause nehmen… rückblickend ein großer Vertrauensbeweis!
Im Mai 1990 schließlich fuhren wir nach Nienburg zu einem befreundeten, auch nach wie vor hier und im DS-Club-Forum aktiven Mitglied und besichtigten eine gerade aus Bordeaux importierte 65er ID19P. Erich, mein Mentor der ersten Stunde, zog in Erwägung, daraus ein Cabriolet zu zimmern.
Die Frage, ob dieses Auto mich interessieren würde, weckte echte Begehrlichkeit bei mir.
Die ID19 zeigte sich in weitgehend originalem Blanc Paros mit unlackiertem Dach und rotem Interieur. Der vordere linke Kotflügel war teilweise abgeschliffen und wohl für eine anstehende Reparatur vorbereitet worden, und die Motorhaube hatte ebenfalls augenscheinlich unsanften Kontakt mit einem Hindernis gehabt, denn ihre vordere Kante war nachlässig gespachtelt und angepinselt worden.
Augenfälligster Makel waren die nach vorn geknickten A-Säulen: Das Auto war mit roter Nummer auf einem nahegelegenen Uni-Parkplatz abgestellt worden und sollte aus unerfindlichen Gründen abgeschleppt werden. Mangels Abschleppöse hatte man einen Gurt durch die A-Säulen gefädelt. Diese Aktion hatte auch die originale Dachschale gekostet: Ein deutlicher Riss verlief durch das unlackierte GFK und den gut erhaltenen Himmel.
Zudem war das Hosenrohr – mutmaßlich ebenfalls durch die Stümperei – undicht, und so stand die ID bei unserer Ankunft laut blubbernd mit laufendem Motor in der Scheune des Anbieters und wurde gerade mit LHS befüllt, da sich eine Undichtigkeit an der hinteren Bremse fand.
Der Wagen sollte 3000,- DM kosten und erforderte augenscheinlich eine gewisse Menge an offenbar überschauberer Arbeit – so zumindest dachten Erich und ich…