Ja, wie dämlich sind unsere Mitmenschen, insbesondere hier die Bauern und die Agrarindustrie?
Seit Jahrzehnten hoch subventioniert und in der Arbeitsweise nahezu unverändert, bis auf einige wenige, die ihre Höfe komplett umgestellt haben, treten sie mit einer Mentalität auf, die bei mir auf keinerlei Verständnis mehr stößt. Wenn sich Arroganz ("Wir brauchen keine Belehrungen von Uni-Professoren, wie wir unsere Höfe zu führen haben. Wir machen das seit Jahrzehnten und wissen, wie es geht.") mit Dummheit paart, dann wird es meistens bitter. Ich kann vor allem diese ganze Lügerei um die Fakten herum nicht ertragen.
Die meisten Bauern wissen eben nicht, wie es geht. Wer hat das Grundwasser im Münsterland und am Niederrhein verseucht? Wer hat in eben diesen Gegenden wild lebende Bienen durch chemieintensive Landwirtschaft z.T. ausgerottet? usw.
Der Gipfel der Dummheit ist aber, dass die Trecker einem bekannten Kopf der Rechten und der Verschwörungsszene hinterher fahren, der gleichzeitig ein führender Kopf bei den Bauernprotesten ist. Jener Anthony Lee behauptet z.B., das das Ziel der Politiker sei, den Bauern das Land wegzunehmen, um dann Flüchtlinge etc. darauf anzusiedeln, das klassische Narrativ der "Umvolkung" der Rechten. Diese Bauern fahren also sprichwörtlich den schlimmsten rechten Bauernfängern hinterher.
Anstatt grundsätzliche Fragen zu stellen, wirklich ein mal Dinge zu verändern und auch zu verbessern, wird die Politik aufgefordert doch bitte weiter großzügig zu subventionieren, damit alles bleibt, wie es ist. Das Höfesterben wird man so auf keinen Fall stoppen, denn vom bestehenden System profitieren vor allem die Großen, d.h. die Kleinen werden verschwinden und die Großen werden uns dann gemeinsam mit der gesamten Agrarchemieindustrie in Zukunft ihre Produkte servieren. Ich möchte das nicht und habe deshalb jedes Verständnis für diese Bauern und ihre Unterstützer verloren.
Der moralische Nimbus vom existenziell wichtigen Ernährer, egal wie groß der Traktor und wie schlecht die Produkte sind, scheint aber bei vielen Menschen immer noch zu verfangen. Ich kenne Bauern, die sich für das, was passiert ist und wohl noch passieren wird, schon schämen. Das sind junge Agrarunternehmer, die mit viel Mut und Energie ihre Höfe zukunftsfähig gemacht haben und sich um den Absatz ihrer Produkte kaum Sorgen machen müssen, z. B. ausgezeichnetes Schweine- und Lammfleisch.😋