Ich hoffe, du hast recht, habe aber sehr große Zweifel.
Mich erinnert das alles an jahrelange "konservative" Proteste in den USA, die sich mehr und mehr nach rechts radikalisierten, sei es aus Dummheit oder Überzeugung. Dann kam mit Trump, ein ebenso dummes wie überzeugtes Sprachrohr dieser "Bewegung" ins Präsidentenamt und dort wollte er trotz Wahlniederlage nicht weichen. Erst als ein Regierungsgebäude von einem solchen Mob gestürmt wurde, sind viele Amerikaner aufgewacht, aber längst nicht genug.
Wir sollten langsam aufwachen und klar sehen, was hier passiert.
Dieses ewige dumme Genörgel über die Ampel versetzt mit diesen ebenso dummen rechtsextremen Sprüchen a la AFD und Merz ist wirklich unerträglich geworden und inzwischen überall präsent und akzeptiert. Auch ich kritisiere die Ampelregierung, allerdings in ganz anderen Bereichen. Zentrale Themen unserer Gesellschaft werden ausgeblendet, wie all die Jahre zuvor auch: Verarmung (Kinder!!!), Rente, usw.. Für diese Ausblendung kann ich sogar Gründe erkennen, der Krieg in der Ukraine, die Folgen der Corona-Krise, usw.. Dennoch muss man die Kritik aufrecht erhalten.
Die Arbeit dieser Regierung ist nicht so schlecht, wie sie meist dargestellt wird. Sie hat mehr ihrer Ziele realisiert, als die Vorgängerregierung. Alle, die sich dieser rechtspopulistischen Kritikwelle anschließen, sollten darüber nachdenken, wer diese vielen Probleme unseres Landes durch jahrelange Passivität ("Weiter so Deutschland") angehäuft hat. Wenn man jahrelang nur perspektivlose Lobbypolitik betreibt, ohne jede Weitsicht und Konzept, dabei bestimmte Gruppen wie die Bauern über Jahrzehnte regelrecht verwöhnt, dann muss eine Regierung, die es besser machen möchte, auch mal Stoppschilder aufstellen. Das ist allemal besser als ein "Zukunftsprogramm" von Herrn Merz & Co, das z.T. im Wortlaut das Programm von Anfang der 90er zitiert (Leitkultur !!!?!) und kritische Themen gar nicht berührt. Das ist der Gipfel der Dummheit und eigentlich lächerlich. Aber viele Menschen finden das wohl sympathisch, weil der jahrelange Stillstand sie wohl zu Träumern gemacht hat. Das finde ich sehr bedenklich und rate diesen Menschen, endlich mal über den Tellerrand zu schauen und "zu sehen, was wirklich ist".
Nichts wird so bleiben, wie es ist oder wieder so werden, wie es war. Da muss jeder etwas tun, auch die Bauern diese Landes werden früher oder später auf Teile ihrer überaus großzügigen Subventionen verzichten müssen. Dadurch könnten auch sehr positive Veränderungen, z.B die Verbesserung der Lebensmittelqualität oder der Tierhaltung entstehen.
Ein letztes Wort noch. Das Ruhrgebiet lebte über 100 Jahre nur von Kohle und Stahl. Hunderttausende arbeiteten in der Schwerindustrie und machten die Ruhrgebietsstädte zu den reichsten Europas. Diese Städte halfen der Stadt München dabei, die Olympiade 1972 zu stemmen. Die Stadt Duisburg baute kurzerhand eine Regattastrecke für die Wettbewerbe im Süden der Stadt. Die Stadt Essen baute das größte Rathaus Europas. Heute gibt es kein einziges Bergwerk mehr hier, ein einziger großer Stahlstandort ist geblieben. Hier haben Millionen Menschen mehrfach von vorne anfangen müssen. Dabei gibt es enorme Probleme, einige Stadtteile sind regelrecht verarmt, aber wir kommen langsam vorwärts und es gibt viele zukunftsweisende Projekte.
Noch irgendwelche Fragen?