Danke, Michael. Eine sehr gute Beschreibung Deiner Situation und bestimmt auf diverse andere Höfe übertragbar. Wenn ich das so lese, habe ich sofort ein paar Fragen in meinem Kopf: ich habe vor 40 Jahren genau über solche Probleme mit dem Vater eines Freundes diskutiert. Da hat sich nichts geändert. Fest weiter die CDU gewählt und seinem Bauernverband gehuldigt - wieso hat er nie verstanden, dass die Politik dieser Beiden nie im Einklang mit seinen Interessen stand? Beide vertreten eine Politik, die die Agrarindustrie stärkt und den kleinen und mittleren Betrieben die Grundlage entzieht. Beide sind dafür verantwortlich, dass ein bürokratischer Ablauf eingeführt wurde, der nur noch von der Agrarindustrie zu bewältigen ist. Vorschläge zu EU-Richtlinien und Gesetzen kamen direkt aus dem Haus Rukwied.
Es hat diese 40 Jahre andere Verbände gegeben. Natürlich sehr viel kleiner und ohne großen Einfluss - wären alle nicht mehr vorhandenen Bauern in diesen Verbänden gewesen, hätte es ein komplett anderes Kräfteverhältnis gegeben.
Ein kleines Beispiel: vor 40 Jahren waren viele Molkereien in Hand von Genossenschaften. Sie gehörten den Bauern. Dann hat die Industrie ihnen bessere Preise und fest Abnahmemengen versprochen. Die Bauern haben ihre Molkereien aufgegeben und sich in die Abhängigkeit der Industrie begeben. Mit dem Ergebnis, dass die Preise gesunken sind und Bauern erpresst wurden. Nicht vorhersehbar gewesen?
Oder Kartoffeln: um der Stärke-Industrie zu dienen, braucht ein Bauer heute ca. 600-800 Ha. Um die zu bewirtschaften benötigt er teure Maschinen. Ein Kartoffelroder der neuesten Generation kostet € 480.000,--, Reparaturen sind nicht bezahlbar. Wie soll das noch funktionieren? Gar nicht!
An dem punkt verstehe ich den Protest der Bauern. Nur, gegen wen richtet er sich? Richtig: nicht gegen die CDU/CSU, die 41 Jahre lang die Agrarpolitik bestimmt hat. Auch nicht gegen den Bauernverband mit Ruckwied und seine Verquickung mit der Lebensmittelindustrie und der Industrie, die die Bauern mit Chemie und Maschinen versorgt.
Findest Du den Fehler?
Und, wenn Du die Literatur von Sellner und Co nicht mehr ertragen kannst: lies mal die Anträge und Parteiprograme der Grünen (findet sich vielleicht auch bei den Linken und der SPD wieder). Was findet man da? Ja, exakt: die Unterstützung der kleinen und mittleren Höfe, Förderung des ökologischen und nachhaltigem Anbau und weg von Flächenförderung. Mit wem glaubst Du, wärst Du besser gefahren?
Und jetzt erkläre mir bitte nur einen Punkt. Warum wählen die meisten Bauern weiter CDU, gehen nicht in andere Verbände und und schreien durchs ganze Land: der Habeck ist schuld. Ich verstehe es einfach nicht.