Ich bin einer dieser absolut doofen Prüfer. Ich könnte tatsächlich ein Buch über "TÜV"-Prüfungen schreiben, jeder Fahrzeughalter hat definitiv mehr Ahnung, als irgend so ein dahergelaufener Prüfer. "Den hab ich so gekauft, das passt schon", " Du bist der erste, der sich darüber aufregt", "Damit hab ich bisher immer TÜV bekommen", "Das war schon immer so", "Das stört mich nicht" und diese Liste könnte ich ewig weiterführen.
Es gibt einen Mängelkatalog, den jeder Prüfer, sei er vom TÜV, der DEKRA, der GTÜ, der KÜS oder einer anderen Organisation, anwenden und beachten muss. In der Tat kann jeder, der Fahrzeugbauteile korrekt benennen kann, eine normale "TÜV-Prüfung" durchführen. Aber es gibt jeden Tag Kunden jeden Tag, die spezielle Fragen haben, die man meist nicht so einfach beantworten kann, und für die ein gewisses Wissen, außerhalb des Plakettenklebens, notwendig ist.
Und dass sich ein junger Prüfer mit einem Citroen CX nicht unbedingt auskennt, ist nicht keine Sensation, selbst ein altgedienter Prüfer hatte möglicherweise noch nie einen CX zu HU. Es gibt so unglaublich viele unterschiedliche Fahrzeug, sei es mit Feststellbremse an der Vorderachse, Zündschloss links oder in der Mittelkonsole, Luftfederung, oder den unterschiedlichen Allradsystemen, das kann keiner wissen. Oder wer weiß, wie man mit einem Ferrari Enzo rückwärts fährt (Taster am Lenkrad drücken), und wie man dann vorwärts weiter fährt (ein Schaltpaddle ziehen), und wie man letzten Endes den Leerlauf einlegt (beide Schaltpaddles gleichzeitig ziehen). Auch ein moderner Mini der ersten Generation hat bspw. den Haubenöffner auf der Beifahrerseite und ein VW New Beetle hat die Fahrgestellnummer unter der Rücksitzbank. Ein VW Caddy hat die FIN unter einer Klappe an der D-Säule, obwohl sich die FIN laut StVZO im vorderen, rechten Bereich des Fahrzeugs befinden muss. Selbst moderne Autos können nicht ohne Probleme bedient werden. Man kann kaum ein modernes Auto so abstellen, dass man es auf der Hebebühne von Hand so positionieren kann, dass man es einfach hoch nehmen kann.
Wenn jemand sein Auto zum "TÜV" vorfährt, weil er es verkaufen will, möchte er keine Mängel. Will er sein Auto weiter fahren, will er auch keine Mängel haben, weil er natürlich nichts reparieren will. Hat er hingegen das Auto gerade gekauft, oder will es kaufen, dann dürfen keine Mängel auf dem Bericht stehen. Ein Auto mit frischem TÜV hat den Status eines Neuwagens. Wenn dennoch Mängel vorhanden sind, wie bspw. ein defekter Fensterheber, der nicht einmal HU-relevant ist, versucht der Käufer die Kosten für die notwendigen Reparaturen vom dem unfähigen Prüfer einzufordern, weil der Verkäufer einen abtropfen lässt.
Der Prüfer ist immer der Angepisste, weil er evtl. das Auto nicht bedienen kann, oder weil dem Halter das Ergebnis nicht gefällt. Es gibt eindeutige Vorgaben, wie ein Fahrzeug zur Teilnahme am Straßenverkehr beschaffen sein muss. Ist jemand mit diesen Vorgaben nicht einverstanden muss er eben auf das Fahrzeug verzichten.
Jeder, der im Berufsleben steht, hat sich doch an irgendwelche Vorgaben zu halten, warum sollte ein TÜV-Prüfer seine Vorgaben nicht beachten? Und die TÜV-Prüfer sind nicht soooo doof, das sie nicht bemerken, dass sie verarscht werden. Das Ganze wird dann halt auf eine elegante Weise geregelt. Man will ja auch keinem Kunden deutlich machen, dass er ein ignoranter Idiot ist.