Solange dieses Denken vorherrscht, gibt es keine Lösung. "Die Palästinenser" sind genauso wenig eine homogene Gruppe wie "alle Juden".
Die Annäherung Jordaniens, Ägypten oder Saudi Arabiens an Israel zeigen doch, dass es Möglichkeiten gibt. Warum wird das Unmögliche beschriehen und das Mögliche nicht versucht? Ich behaupte sogar, das selbst die Hamas-Führung nicht Einheitlich ist, genauso wie die Regierung Israels durch unterschiedlichen Interessen geleitet ist. Und genau dadurch besteht eine Chance auf Veränderung. Mit Sicherheit nicht Morgen, aber Stück für Stück. Dieses Wollen ist bei der Hamas nicht zu sehen, bei der jetzigen israelischen Regierung aber auch nicht. Irgend jemand muss aber anfangen und bekanntlich ist das nicht die dümmere Partei.
Jede Seite kann weiter auf ihr Leiden hinweisen. Das sogar zu Recht. Und? Selbst ohne Schuldzuweisung, beinhaltet das keine Lösung. Weder werden die Toten lebendig, noch Geiseln freikommen und das Morden so niemals beendet werden. Ich schrieb es schon einmal, man muss vom Ziel aus denken: Und dieses Ziel heißt, das Sterben muss ein Ende finden. Das Bedeutet aber auch Perspektive und Zukunft für alle Parteien aufbauen. Und das bedeutet definitiv einen riesen Schritt zu machen, um begangene Verbrechen hinter sich zu lassen und unabhängig allen persönlichen Leid nur auf die Zukunft hin zu arbeiten. Nur als Beispiel und nur punktuell geeignet, so hat Südafrika einen Weg gefunden, die Verbrechen der Vergangenheit so aufzuarbeiten, dass die Täter eine Chance sahen, nicht mehr weiter Verbrechen zu begehen. Dadurch waren sie trotzdem Täter und es wurde auch nichts beschönigt. Im Gegenteil.
Wie bitteschön soll sonst die Lösung aussehen? Wenn alle Palästinenser alle Juden töten wollen und das unumstösslich sein sollte, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: die Juden werden alle ermordet oder die Palästinenser werden alle ermordet und dazwischen gibt es eine Grauzone von auf beiden Seiten ermordeter Menschen.
Der erste Schritt muss von Israel kommen. Warum? Weil sie es können, weil sie diese freie Entscheidung treffen können und weil die Zivilgesellschaft in ausreichend großem Maß mitgehen würde. Dieser Schritt muss der Hamas die Möglichkeit geben, die Geiseln frei zu lassen. Warum die Möglichkeit geben? Weil man für eine Lösung das Denken des Gegenüber einnehmen, zumindest verstehen muss. Die Hamas wird als Organisation überleben und weiter töten. Aber ein kleiner Schritt, der aus der Logik der Hamas vielleicht sogar ein Sieg ist, kann die Situation soweit verändern, weil die Interessen einzelner Hamas-Führer betroffen sind. Sie haben eine individuelle Chance zu überleben - das wird den einen oder anderen durchaus vom jetzigen Weg abbringen. Weil es sich sehr leicht vom Märtyrertot reden lässt, an der Schwelle zum Tod aber einiges an markigen Denken relativiert wird. Bei fast jeden Menschen, egal welcher Kultur und wie tief verstrickt er im System ist. Er muss aber dafür eine Chance auf Zukunft haben. Und da das für die Hamasführung zur Zeit definitiv absolut sicher nicht der Fall ist, gibt es für sie keinen Grund einen Schritt in Richtung Israel oder auch nur in Richtung Menschlichkeit zu gehen.