Salut,
ich bin dabei zwei Motoren auf 425er Basis aufzubauen. Einen 500 (original Bretille aus den 60igern NOS), sowie einen 530 (Burton /Bretille aktuell). Daher habe ich mich mit der Thematik beschäftigt und auch mit verschiedenen Leuten gesprochen welche so ein Kit fahren bzw. Spezialisten im 2CV Motoren Tuning sind.
Ich kenne mehrere welche den 530 Kit schon fahren, doch keiner ist mehr als 8000Km bisher damit gefahren. Für mich sagt daher das nicht wirklich was aus, aber immerhin hatte keiner bisher ein Problem und alle schwärmen über die Steigerung des Drehmoments.
Ich habe das auch schon mit Filip (VGS) diskutiert welche auch schon einige der Big-Bore für den 425er verbaut hat.
Auch er hält die Qualität eigentlich für in Ordnung lediglich die beiligende Kolbenringe sollte man durch Markenkolbenringe ersetzten. Er hat mir Goetze Kolbenringe dafür gegeben von deren Qualität er überzeugt ist. Zusätzlich würde er die Zylinder kontrollieren und das Spiel zwischen Kolben und Zylinder auf 8/100 erhöhen, also leicht hohnen. Ein höheres Einbauspiel ist in der Renn-Scene durchaus üblich um Kolbenklemmer, oder schlimmer Fresser, zu verhindern, aber da spielt das Geräusch von Kolbenkippen wenn der Motor kalt ist oder die Laufleistung keine Rolle.
Daraufhin habe ich meine Zylinder vermessen und sie hatten 6-7/100 Spiel. Die Zylinder sind perfekt gleich und auch die Kolben bis auf's /1000tel
Burton gibt für seine Big Bore Kits eine ziemlich lange Einfahrzeit an, mindestens 2000Km. Das hat m.E. seine Gründe.
Citroen hat, wie bei jedem Großserienfahrzeug, in umfangreichen Versuchen das perfekte Kolbenprofil und an welchen Stellen im Kolben innenliegende Blechstreifen zur Dehnungssteuerung eingegossen werden müssen versucht herauszufinden damit der Kolben einerseits mit möglichs geringem Spiel im Zylinder eingepasst sein kann und andererseits der Kolben bei Betriebstemperatur eine möglichst definierte zylinderische Form annimmt. Vorraussetzung für ein geringes Einbauspiel, kurze Einfahrzeit, ruhigen Lauf und Lebensdauer.
Ich gehe davon aus daß bei den Bigbores, die ja nur in kleineren Serien hergestellt werden, solch ein Aufwand nicht getrieben werden kann und daher das Einbauspiel einfach etwas höher gewählt und die Einlaufphase verlängert wird. Und bei der ersten Serie der Big Bores hatte Burton wohl ziemliche Probleme. Natürlich fließt da auch die Erfahrung von dem Kolbenhersteller mit ein.
Der 500er NOS Bretille zeitgenössische Big Bore verfügt über geschlitze Kolbenhemden, auch dies hat man aus oben angeführtem Grund zur Sicherheit gegen Klemmer gemacht. So ist das Kolbenhemd etwas flexibler und das Spiel bei denen betrug auf der Einen Seite 3,5-4/100 und auf er Anderen 1,5-2/100. Letzters war mir zu gering und ich habe es um 2/100 mehr hohnen lassen.
Generell beim leistungssteigernden Maßnahmen sollte die Basis sehr gut sein, d.h. am besten eine neue oder neuwertige Kurbelwelle, neu bzw. richtig gemachte Zylinderköpfe etc. . Eine schon grenzwertige Kurbelwelle mit einem Big Bore zu versehen, da ist der Schaden schon vorprogrammiert. Ein typischer Effekt nach Tuning.Maßnahmen ist das der Motor kurz darauf seinen Geist aufgibt wenn man nicht darauf achtet.
Zweitens sollte auch der Wärmehaushalt des Motors beachtet werden. Wenn ein Motor mehr Leistung erzeugt ist die Verlustleistung in Form von Wärme auch höher und diese Wärme muß auch abgegeben werden können. Auch wenn der 2CV Motor, mit dem Lüfterrad welches mit Kurbelwellendrehzahl dreht, eigentlich relativ gut gekühlt ist sollte man überlegen was da zu verbessern ist. So kann man z.B. einfach den Ölkühler eines M4 AMI6 montieren, der hat statt der üblichen 7 Kühlschlangen derer 9. Zusätzlich empfielt sich der Umbau auf einen Ölfilter der einerseits (wie der Name schon sagt) das Öl filtert aber andererseits auch bewirkt daß ca. 1/2 l mehr Öl sich im Kreislauf befindet daher der Motor auch besser gekühlt ist. Zusätzlich gibt es seit ein paar Jahren bei Burton ALU Ventildeckel mit Kühlrippen. Diese passen sowohl auf die 600er oder auch die 16/18 PS Motoren, aber nicht auf die 12PS. Für die 12er gab es so was schon inden 50igern von Dagonet für seine getunten Renn Dagonet-Enten. Auch alle anderen Teile (Kipphebel, Stößel, Stößelstangen) sollten in gutem Zustand sein. Die Hubraumänderung beim 650er Big-Bore für den 600er beträgt weniger als 10%, beim Big Bore für den 425er auf 530ccm ist das fast 25%!
Alternative zu dem Big Bore wäre natürlich bei den 425 zu bleiben, das Zylinderkit aus argentinischer Fertigung ist auf jeden Fall zu vermeiden. Da wäre sogar die französiche Rep-Methode, alter Kolben mit neuen Ringen und leichtem Durchhohnen des alten Zylinders besser. Die heute angebotenen Bretille 425er sind an und für sich in Ordnung wenn da die schlechte Qualität der Ringe nicht wäre. Ich weiß nicht ob es 425er Ringe eines guten Herstellers gibt. Die Goetze Ringe für den 530ccm sind ja die gleichen wie für den 600er daher gibt es die in der Größe.
Aber letzlich stellt sich auch die Frage was Du mit der AZAM machst, wenn Du wirklich im Jahr Kilometer abschruppst (wie ich) dann ist mehr Drehmoment von Vorteil aber es muß auch haltbar sein und zuverlässig und bei einem getunten Motor macht es, wie oben erläutert, nur Sinn wenn es richtig gemacht wird. Wenn Du aber im Jahr mit Glück vielleicht 1000Km fährst dann kannst Du auch 'nen 425er Bretille aktueller Produktion verbauen und hast für 20 Jahre Ruhe und machst Dir keinen Kopf ob der Motor schon was verschlissen ist.
Ein Umbau auf einen "modernen" 600er ist m.M. nach indiskutabel und bedingt auch strukturelle Änderungen an der Karosserie. Ein Umbau auf M4, also den 600er de Ami6, ginge aber auch nicht so ohne weiteres wegen z.B. der obenliegenden Lima. Das wäre auch der Motor welcher in die oben erwähnte AZAM 6 eingebaut wurde.
liebe Grüße,
Roland