Hallo Roland,
die Motor-Getriebe-Einheit von AMI6/AZAM6 ist insgesamt deutlich länger als bei 12/16PS - d.h. mehr als nur die 15mm des Getriebes. Ich kann Dir zwar keine genauen Maße geben, aber Fahrzeuge mit dem M4-Motor haben grundsätzlich die flache nach vorne versetzte Traverse wie auch der 2CV6. Baut man einen M4-Motor mit dem originalen Getriebe in eine Ente mit dem alten Chassis ein, müssen die Distanzhülsen hinten am Getriebe deutlich gekürzt werden. Die Bohrungen in der vorderen Traverse passen auch nicht mehr. Im Übrigen haben AZAM6 und AK350 spezielle Schalthebel. Letztlich ist das alles machbar, aber auch nicht "so mal eben", wie viele Menschen glauben.
Das Grundproblem ist aber die Teileversorgung beim M4-Motor. Diese Motoren sind - anders als 16PS-Motoren - in Deutschland kaum zu finden und mit Teilen sieht es auch eher mau aus. Ich kenne zwar auch die Variante, einfach die M4-Köpfe auf einen 2CV6-Rumpfmotor zu schrauben, aber eine wirklich detaillierte Umbauanleitung habe ich leider noch nie gefunden. Angesichts der Unterschiede zwischen dem 2CV6-Motor und dem M4-Motor (von dem es ja auch zwei Varianten gibt) kann ich mir aber irgendwie nicht vorstellen, dass das alles auf Anhieb so einfach funktioniert. Wenn ja, wundere ich mich, warum es nicht viel häufiger gemacht wird.
Die Untersetzungen des 16PS-Getriebes und der verschiedenen M4-Getriebe unterscheiden sich m.E. recht erheblich. Ich persönlich würde keinen M4-Motor einfach an ein 16PS-Getriebe schrauben. Insgesamt ist die Tuning-Diskussion bei Alt-Enten für mich eine Diskussion, bei der sich technische und philosophische Aspekte vermengen. Ein Umbau auf 2CV6-Technik ist für viele haram, aber solange man nichts sieht (oder erst auf den zweiten Blick), ist es OK. Wie sonst kommt man auf die völlig behämmerte Idee einen AMI6-Motor so umzubauen, dass die Lima auf der Kurbelwelle sitzt. Das bringt technisch nichts und sorgt - neben einer schlechteren Ladeleistung - eigentlich nur für potentielle Fehlerquellen aufgrund irgendwelcher Frickelkonstruktionen. Und ein zeitgemäßer Umbau ist es auch nicht, weil man in den 60ern und 70ern keinen Wert auf eine perfekte Retro-Optik legte, sondern mit dem Ziel einer technischen Verbesserung umgebaut hat. Außerdem gibt es den 2CV6-Motor bereits seit 1970 (bzw. 1969 in der Dyane), da ist die zeitliche Distanz zu 1966 sehr gering und der Umbau wäre immer noch zeitgenössisch - wenn auch nicht ohne weiteres reversibel. Letzteres Argument sehe ich natürlich auch als relevant an, wobei die modernere Technik alten Enten eine deutlich höhere Alltagstauglichkeit verleiht (und M4-Motoren kaum zur Verfügung stehen). Nicht ohne Grund sind alte 2CV vor 1970 in Deutschland kaum verkäuflich, es sei denn, sie werden zu Dumpingpreisen angeboten. Eine Restaurierung lohnt bei 12- und 16PS-Enten de facto nur zum Eigenbedarf, da diese Autos keinen Markt haben. Wenn es jemand trotzdem macht, finde ich es auch OK, wenn man das Auto technisch so gestaltet, wie er es gerne hätte - was ja ein Votum für die originale Technik durchaus einschließt. Und unter dem Strich setzen technische Lösungen wie die von Dir skizzierten - neben einem entsprechenden Teilefundus - auch ein hohes technisches und handwerkliches Wissen voraus. Etwas, das bei Dir und ein paar wenigen anderen vorhanden ist, aber nicht beim Gros der Entenschrauber.
Gruß
V.