Gerne.
Teil 1
Bereits unmittelbar nach der Rückkehr vom 17. ICCCR in Torún - mit meinem weißen C6 ohne Anhängerkupplung - hatte ich eine umfassende Renzension geschrieben, die alles andere als schmeichelhaft ausfiel und wahrscheinlich unmittelbar nach dem Posten vom Admin gelöscht worden wäre. Meinen Text habe ich schließlich selbst in die ewigen Jagdgründe geschickt - radikaler Journalistenkniff, wenn der jüngste Kommentar nicht der letzte gewesen sein soll.
Mit einem zeitlichen Abstand von mehr als zwei Wochen zum Ereignis hat sich meine Erregung gelegt, wenn auch nur geringfügig. Und weil ich kein Politiker bin, der sein Fähnchen nach dem Wind hängt, bleibe ich bei meiner Meinung: die Organisation des 17. ICCCR in Torún war Zumutung und Abzocke zugleich. Dabei ist es gleichgültig, ob die Organisatoren überwiegend Laien und Freiwillige waren, es gibt keinen Grund, dieses Chaos schönzureden, weltumspannende Citroën-Gemeinschaft hin oder her.
Beginnen wir mit der Teilnahmegebühr 100 €, pauschal für 2 Personen und ein Auto, obwohl ich allein angereist war: an Hardware gab es dafür Dinge, die man nicht unbedingt braucht, u. a. eine Riesentasche mit einem Stadtplan von Torún, kostenlos zu haben bei der Tourist-Info, ein Plastikschild fürs Kennzeichen und einen Aufkleber mit der Teilnehmernummer, ein Programmheft mit längst überholten Informationen, ach ja, zwei Kabelbinder, schwarz, einen gelben Aufkleber (für Nicht-Camping-Teilnehmer, wie sich später herausstellte), zwei Schlüsselumhängebänder und ein Streifenaufkleber für die Heckscheibe (?). Hab ich etwas vergessen? Ach ja, das gelbe Armbändchen. Materialwert des ganzen Krempels, konservativ geschätzt: max. 10 €. - Was haben die Organisatoren mit dem Rest gemacht?
Zweiter Tag, Donnerstag, wieder ins Organisationsbüro, diesmal im MotoPark. Abholen der vorab per Überweisung bezahlten Eintrittskarte fürs GALA DINNER (70 €). Gegen 10 € Cash bekomme ich einen Aufkleber mit der Nummer 008 ausgehändigt, der mich zur Teilnahme an der PARADA (Concours d'elegance) privilegiert. Laut Organisationsbüro ist die kostenpflichtige Teilnahme auf 50 Fahrzeuge begrenzt, entscheidend ist der Eingang der Anmeldung. Das sich an die PARADA anschließende Büfett im Hotel Bulwar kostet nochmal 20 €, natürlich wieder in Cash zu entrichten.
Zu meiner Verwunderung hatte ich feststellen müssen, dass ich mit meinem C6 und gelbem Aufkleber nicht auf dem zentralen Platz parken kann, das durfen - zunächst - nur Camper mit grünem Aufkleber. Also zurück ins Organisationsbüro: Bitte geben Sie mir einen grünen Aufkleber. Geht nicht, aber gegen 20 € Cash bekomme ich einen grünen Aufkleber. - Dumm gelaufen, denn ab dem nächsten Tag war die Grün-Gelb-Aufkleber-Apartheid beim Parken aufgehoben, dann durfte jeder reinfahren.
Bisheriger Stand der Ausgaben: 220 €. Was gab's dafür?
GALA DINNER (70 €) 2 Sterne (von 5)
Menükarten: Fehlanzeige. Kulinarisch nichts Besonderes, eine kalte Lachscremerolle als Vorspeise und ein lauwarmer Hähnchenschenkel mit Rückenstück auf Graupen (?); das kalte Dessert-Büfett, Herzhaftes und Süßes, gab es nach einer angeordneten Zwangspause nach dem Hauptgang. Alle Gäste mussten plötzlich raus und wurden zum nahen Fluss dirigiert, um eine völlig unspektakuläre Illumination zu bestaunen. An Getränken gab es gekühltes Leitungswasser in Karaffen zum Selbstnachschenken und einen mittelprächtigen Wein, wobei man sich eigenartigerweise zu Beginn des Menüs zwischen Rot- und Weißwein entscheiden musste; ein Wechseln war offensichtlich nicht vorgesehen, wie ich aus der verstörten Reaktion des Kellners schloss. Auch das Nachschenken schien beim Wein nicht vorgesehen zu sein, spätestens nach dem zweiten Glas war Schluss.
Nun zum wirklich unangenehmen Teil des Abends. Allen voran ging mir das völlig überflüssige Funktionärsgequatsche auf den Zeiger, das sich aufgrund der Übersetzung ins Englische doppelt in die Länge zog. Einfach furchtbar, und für diese Selbstbeweihräucherung habe ich Geld bezahlt! Eine Unverschämtheit!
Doch damit nicht genug der Pein: im Speisesaal war es erdrückend schwülwarm, kein kühlendes Lüftchen eines Ventilators - und laut wie auf der Kirmes. Man musste schreien, um seinen Tischnachbarn zu verstehen, selbst Small-Talk misslang. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, griff nach den Reden ein Klavierspieler beherzt in die Tasten seines Pianos, was die akustische Situation weiter verschärfte. Unter einem GALA DINNER stelle ich mir etwas anderes vor.
Fortsetzung folgt.