Jetzt gebe ich auch mal noch ein paar Eindrücke zum besten.
Erstmal einen riesigen Dank an die Organisator*innen des ICCCR und an den Automobilklub Torunski. Sie sind viele Jahre in eine enorme finanzielle Vorleistung gegangen und haben trotz aller Unsicherheiten die Doppelwinkel-Fahne hochgehalten. Respekt!
Der Standort MotoPark lag einige Kilometer westlich der Stadt, war sehr groß und weitläufig, aber im Prinzip gut geeignet für ein ICCCR – sicher auch bei schlechterem Wetter(ich denke mit Grausen an die Schlammschlachten in Flevohof (mein erstes ICCCR), Chevetogne, den untergehenden Campingplatz in Interlaken oder auch beim letzten Treffen in NL). Es war eigentlich an alles gedacht und alles vorhanden (Sanitärbereich top). Im Detail war es dann allerdings etwas holprig und das Team erschien organisatorisch teils recht überfordert (siehe auch Parade). Das Programm war eigentlich dicht mit Events, Spielen und Terminen vollgepackt – nur die Nachfrage war nicht da, so dass viele Punkte offenbar einfach unter den Tisch gefallen sind oder auch offiziell abgesagt wurden.
Torun ist eine wirklich wunderschöne und sehr lebhafte Stadt. Ein toller Gastgeber! Offenbar auch ein wichtiges Ziel für den innerpolnischen Städtetourismus (Kopernikus!). Jedenfalls war sie mit Besucher*innen gefühlt gestopft voll. Wer noch nicht dort war: Fahrt mal hin!
Das Wetter war 1A – vermutlich das beste Wetter jemals bei einem ICCCR und auch besser als in Rom/Vallelunga. Bei schwer südeuropäischen Temperaturen an der Wista/Weichsel sitzen – damit hatten wir nicht wirklich gerechnet.
An alle die dort waren: Vielen Dank, es hat großen Spaß gemacht.
An alle die nicht hingefahren sind, storniert haben oder ihre Anmeldung haben verfallen lassen: Ihr habt definitiv was verpasst!
Tja, die Teilnehmendenzahlen. Ich habe Rally-Schilder mit Nummern über 980 gesehen und bei Anreise mit mehreren Fahrzeugen hat man wohl keine zusätzliche Nummer bekommen (nur weitere Armbändchen). Theoretisch müssten es also einige Autos mehr gewesen sein und Personen sowieso. In der Realität glaube ich aber, dass deutlich weniger als 500 Fahrzeuge dort waren (übtigens: in NL waren m.W. keine 4000 Autos, sondern Besucher - Autos 1500-1600). Das Campinggelände war z.B. ziemlich locker genutzt und hätte sehr viel Platz für Erweiterung gehabt. Für die Polen war es ein langes Wochenende mit einem Feiertag am Donnerstag und man ging m.E. an diesem Tag noch davon aus, dass viele Angemeldete und Spontanbesucher noch kommen. Daher mussten die „Nicht-Campingleute“ (gelbes Armband) vor dem Eingang in der Nähe des Flohmarktbereichs parken. Auf letzterem verloren sich zwei einsame Anbieter … Ab Freitag durften dann alle auch auf das Gelände fahren und sich zwischen den riesigen Gastro-Zelten aufstellen. Es kamen aber auch nur maximal vier Reihen zusammen (vielleicht 60-80 Autos). Viele werden zwar auch in die Stadt oder auf Ausflüge gefahren sein oder das Auto beim Hotel in der Stadt gelassen haben, aber insgesamt bleiben es einfach sehr wenig Teilnehmende. Die Frage nach dem typischen „Anmeldestau“ hat also ihre Berechtigung. Bei Ankunft am Mittwochabend war die Anmeldung noch in einem Raum im Erdgeschoss der MotoPark-Arena – da dachte ich schon: ist aber mutig und wird sicherlich ziemlich eng und stauig, wenn die Massen kommen. Ab Donnerstag wurde dann ein kleiner, enger Container direkt auf dem Treffengelände für die Anmeldung genutzt. Mehr als zwei Leute standen darin nie an.
Auch „normale“ interessierte Tagesbesucher aus Torun verloren sich eher auf dem Gelände – vermutlich hatte man sich als „Ausflugsziel“ auch hier mehr erwartet.
Auch die Gastroszene wäre auf einen Großansturm vorbereitet gewesen. Der kam aber leider nicht (vielleicht wären sie damit auch überfordert gewesen 😉. Und mobile Stände vom ersten Tag (Eiswagen, Popcorn, polnische Backwaren …) kamen am Freitag gleich gar nicht mehr. Vermutlich um mit dem erwarteten Andrang umgehen zu können und Zeit beim Kassieren zu sparen (und wegen unterschiedlicher Steuersätze) gab es ein zweifarbiges Chipsystem (extra produziert mit Logo; Tausch 10€/40zl = 8 Chips. Rücktausch nicht vorgesehen) – Gold für Getränke und Treffendevotionalien, Grün für Essen. Wobei Säfte interessanterweise als Essen (=grüner Chip) galten. Teils wurde das System aufrechterhalten (Devotionalien), teils wurde plötzlich in der Gastro auch Kartenzahlung eingeführt.
Auch viele angemeldete Teilehändler sind nicht erschienen. Daher war dieser Bereich sehr klein und die Geschäfte liefen vermutlich sehr schlecht. Claire aus Manchester (auch aus Enschede/CitroClassica bekannt), die bunte Untersetzer, Magneten, Taschen anbietet und eigentlich immer Kunden findet (Prinzip Ikea 😉), hat wohl bis Freitagabend nichts verkauft. Das war auch für die Händler sehr schade. Citro-Toon war mit einem großen Stand dort und dürfte ebenfalls einen nur geringen Umsatz gemacht haben – dürfte sich am Ende wohl nicht mal ansatzweise gerechnet haben.
Das nächste 2CV Weltreffen 2025 in Slowenien (29.7.-3.8., schon 500+ Anmeldungen) und die Citrodays 2025 am Lac du Der (15.-17.8., mit 70 Jahre DS) hatten Werbestände, die zumindest besucht waren.
Aber die Veranstalter*innen hatten noch ein absolutes Highlight im Köcher: Die Parade in die Innenstadt und denConcours d’Elegance. Auch mit „kleineren“ Widrigkeiten bestückt (siehe Statement oben). Für den Concours durften sich eigentlich 50 Autos anmelden, dann wurde es um die Parade erweitert, die für alle frei war – aber es durften maximal 100 Autos auf dem Boulevard am Wistaufer parken. Mehr Platz sei nicht. Dann wurden aber Paradenummern bis 150 oder ggf. auch noch höhere ausgegeben. Das konnte nur schief gehen… Bei den kleinen Nummern am vorderen Ende wurde noch auf Sortierung in Reihenfolge geachtet, ab den zweistelligen ging das organisatorisch verloren (vermutlich hätte man vor dem Treffengelände, wo sehr viel Platz war, eine Vorsortierung vornehmen und die Autos erst dann zum Aufstellplatz fahren lassen sollen). Egal, es war toll. Hier hatten die Stadt, Tourismus und Presse ganze Arbeit geleistet und den Event weit bekannt gemacht. Entlang der Strecke in die Stadt standen immer wieder Leute und bei der Einfahrt in die Uferstraße ging es zu wie auf einer Bergetappe der Tour de France. Tausende Menschen standen beidseitig, filmten und klatschen. So etwas hatte von uns noch keiner erlebt. Und der Menschenstrom hielt über Stunden an, es wurden Massen an Selfies gemacht, Gruppenfotos mit Gendarm & Nonne & Ente bzw. Mehari, mit Kindern und und und. Die Bewegtbildpresse hat mit den Teilnehmenden Interviews geführt und ein Franzose kam zu mir und sagte, dass er der richtige Fantomas sei und ich nur eine Fälschung. Wir haben viel gelacht 😄
Preise gab es sowohl für Fahrzeug und passende/lustige Bekleidung durch das Publikum als auch – was vorher nicht bekannt war – durch eine Jury. Wahlzettel gab es nur auf Polnisch und die wurden auch noch verteilt, als die Siegerehrung bereits durch war. Die Siegerehrung lief ausschließlich auf Polnisch auf einer Bühne unterhalb des Boulevards und der Zeitplan (was, wann, wie, wo) war unbekannt. Zeitgleich dazu gab es (neben dem Gala Dinner) eine Gartenparty in einem Hotel hinter der Aufstellstrecke. Es wurden immer die Gewinner aufgerufen, die waren aber gerade bei der Gartenparty. Wir haben sie dann noch auf die Bühne bekommen, aber das war organisatorisch sehr wenig durchdacht. Was soll’s, aus unserer Gruppe wurden die Plätze 1 und 2 gestellt 😀
Der Berliner Stammtisch (+ fränkische C4-Erweiterung) war auf eigener Achse mit 10 Doppelwinkelfahrzeugen (+ 3 Fremdfahrzeugen mit Klimaanlage) und ca. 19 Pax vertreten. Dabei waren u.a. ID/DS, 2CV, TA, C4 – teils direkt angereist, teils mit Urlaub davor oder danach verbunden. Wir waren also präsent 😀
Die meisten Teilnehmenden dürften aus Polen gekommen sein (tolle Fahrzeuge und nicht nur 2CV), gefolgt von Deutschland (ACC und DS Club waren stark vertreten) und m.E. Belgien. Es gab auch zahlreiche skandinavische Fahrzeuge (FIN, S, N), Balten und z.B. weitgereiste Griechen. Aber untypisch wenige Franzosen und Niederländer. Insgesamt fehlte dem Treffen die gängige „europäsiche Vielfalt“ an Teilnehmenden aus allen Ländern, ergänzt um die Welt (Besucher aus USA, AUS, NZ, CAN, JAP etc. pp.). Es waren auch – außer den polnischen Clubs und dem ACC – eigentlich keine erkennbaren Clubs da (Visa Chrono, AX, Ami, …), die sonst immer da sind.
Insgesamt haben weder die Veranstalter noch die Stadt dieses Desinteresse der Citroen-Szene verdient! Für die Teileszene haben sich vermutlich Enschede und Lipsheim etabliert, aber was die besonderen Großtreffen angeht müssen wir extrem aufpassen, dass das nicht einschläft. Gleichzeitig sind die Vorlaufkosten und der Orga-Aufwand für die Ausrichter immens gestiegen. Bisher gibt es offenbar auch deshalb keinen Bewerber für 2028. Und wenn dann auch noch keiner hinkommt …
Ja, mehr und konstantere Kommunikation durch die Veranstalter im Vorfeld wäre gut gewesen, aber vieles lief offenbar auch über Fazebuch, dass in Polen wohl im Alltag noch verbreiteter zu sein scheint. Länderbesonderheiten halt.
Und ja, andere ICCCRs waren größer, aber keines hatte einen solchen Öffentlichkeitszuspruch (wenn auch nicht auf dem Treffengelände selbst). Wir hatten viele gute Gespräche und haben tolle Leute kennengelernt. Das Doppelwinkelauto als Türöffner.
Polen ist definitiv eine Reise wert und hat sich enorm weiterentwickelt. Uns hat es sehr gut gefallen!
Auf ein Neues in 2028?!