In meinem Gehirn geistert noch die Frage nach dem Laufbuchsenüberstand rum, der Hubble ebenfalls umtreibt.
Tatsache: PSA verbaute hier "verzinkte Stahldichtungen, die verschiedenfarbig lackiert sind", so die Peugeot Rep.-Anleitung. Stahl sollte sich nicht dauerhaft plastisch verformen, so das die Dichtungen eigentlich wiederverwendet werden könnten. Ob sich das Material bei Einbau nicht doch irreversibel staucht weiß ich nicht, dann müssten sie neu. Zunächst dachte ich an eine Konstruktion wie bei Ölablassschrauben, Zündkerzen oder Kopfichtungen, wo sich Metalldichtungen durch das Anziehen plastisch dauerhaft verformen um sich den Dichtflächen anzupassen. Die sind dann aber aus Alu, Kupfer oder Weicheisen. Daher auch die verschiedenen Anzugsvorschriften für neue und gebrauchte Kerzen und die Vorschrift, gebrauchte Ablassdichtungen zu erneuern.
Die Stahldichtungen gab es in 3 Dicken, um den Laufbuchsenüberstand einzustellen. Der ist in sofern relevant, daß die Kopfdichtung bei zu hohem Überstand nich zu stark komprimiert wird oder bei zu geringem nicht verlässlich abdichten kann. Der Stahl der Fußdichtung ist ja relativ starr.
Der Hinweis in der Rep.-Anleitung, die Laufbuchsen nicht zu verdrehen, entspringt dem Gedanken, eingelaufene Teile so wie sie waren wieder einzubauen, daher auch der Hinweis in der Rep.-Anleitung, daß neue Buchsen natürlich auch verdreht werden dürfen. Da sich aber die Buchsen niemals Mikrometergenau wieder einsetzen lassen ist diese Vorschrift relativ zu sehen. Das wäre nämlich nötig, damit Kolben und Ringe wieder im alten Schliff laufen. Das muss sich so oder so neu Einlaufen.
Der Hinweis, das der Überstand in einer Zylinderbank auf- oder absteigend sein soll, beruht auf der Tatsache, das sich sonst die Zylinderköpfe in sich verziehen könnten. Wenn der 1. Zylinder minimalen Überstand hat, der 3. maximalen und der 5. wieder minimalen wird der zugehörige Kopf zur Banane. Der Hersteller gibt also "try and error" vor, erst bei der letzten Buchse weiß man, ob man die erste Fußdichtung oder alles neu machen muss.
In den angebotenen Dichtsätzen sind nun verschieden dicke Papierdichtungen, die sollten dann auch zur beiliegenden Kopfdichchtung verbaut werden, das ist ja praktisch ein zusammenhängendes System. Wenn der Dichtungshersteller hier keine abweichenden Angaben macht sollten die analog der PSA-Vorgabe eingebaut werden. Bei Kopfdichtungen habe ich aber regelmäßig erlebt, das der Hersteller der Dichtung seine eigenen Dehnschrauben und andere Anzugsvorgaben vorschreibt. Oder das die Originalhersteller in der Serie die Dichtungen ändern und damit die Anzugsvorgaben. Wenn der Hersteller keine zusätzlichen Dichtmittel vorsieht und die Dichtflächen plan und sauber sind, sollte man auch keine nehmen. Obwohl ein dünner Film Dirko HT auf Papier gefühlt mehr Sicherheit verspricht?!
Also im Zweifel den Hersteller des Dichtungssatzes kontaktieren, der ist derjenige, der am besten weiß, wie sich sein Zeug verhält.
Ohne jetzt den Motor vor mir zu haben sollte sich der Überstand auch mit Fühlerlehre und Stahllineal ausreichend genau messen lassen. Ich würde die Laufbuchsen auch mit leichten Schlägen per Gummihammer vor Messung sich Setzen lassen. Für 6 Zylinder ist das ganze ein muße- und zeitfordernder Prozess... lange Winterabende eben.
So, jetzt ist meinem ADHS-Hirn wieder ein überlanger Samon entsprungen der hier hoffentlich keinen langweilt...
Grüße Joschko