Die Menschenrechtsorganisation dokumentiert, wie entlang der östlichen Abgrenzung des Gazastreifens ein Muster systematischer Zerstörung angewendet wird. Mit Bulldozern und Sprengsätzen hat das israelische Militär rechtswidrig landwirtschaftliche Flächen und zivile Gebäude zerstört sowie ganze Stadtviertel mit Häusern, Schulen und Moscheen dem Erdboden gleichgemacht. Die Häuser wurden nicht im Zuge von Kampfhandlungen zerstört, sondern nachdem das Militär die Kontrolle über das Gebiet erlangt hatte.
Durch die Analyse von Satellitenbildern und Videos, die von israelischen Streitkräften zwischen Oktober 2023 und Mai 2024 in Sozialen Medien gepostet wurden, konnte das Crisis Evidence Labvon Amnesty International entlang der östlichen Abgrenzung des Gazastreifens einen neu zerstörten Landstrich identifizieren, der zwischen 1 km und 1,8 km breit ist. In einigen Videos sind israelische Armeeangehörige zu sehen, die für Fotos posieren oder auf den Abriss von Gebäuden anstoßen.
https://www.amnesty.de/pressemitteilung/israel-besetztes-palaestinensisches-gebiet-gaza-mutwillige-zerstoerung-kriegsverbrechen-untersuchung
https://taz.de/Gaza-Krieg-in-den-Medien/!6010413/
Seit Monaten kommen aus Gaza unzählige Bilder von zerfetzten und verstümmelten, hungernden und verhungerten Kindern sowie Kindern, die ihre gesamten Familien verloren haben. Zuletzt gab es Bilder von Massengräbern, die nach dem Abzug des israelischen Militärs auf dem Gelände zweier Krankenhäuser in Gaza entdeckt wurden, und schreckliche Szenen aus Rafah, nachdem die israelische Armee dort am Sonntag ein Flüchtlingslager bombardiert hatte.
Die Aufnahmen von Soldaten aus Gaza können in Den Haag als Beweisstücke dienen. Das scheint viele nicht zu stören
Journalisten zahlen hohen Preis
Ausländische Medien können solche Vorfälle schwer überprüfen, ihnen ist der Zugang zum Gazastreifen verwehrt. Die israelische Armee erlaubt es nur sehr wenigen ausländischen Journalisten, sie in Ausnahmefällen „embedded“ zu begleiten. Medien wie CNN, der Guardian und die New York Times bemühen sich dennoch, die Realität in Gaza abzubilden, so weit ihnen dies möglich ist, etwa durch Datenrecherchen. Doch es bleibt Reportern und Video-Bloggern vor Ort überlassen, der Außenwelt ein direktes Bild der Situation zu vermitteln.
Sie zahlen einen hohen Preis: Über 90 von Ihnen wurden seit Oktober im Gazastreifen getötet, hat das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) gezählt. Einige wurden zu Symbolfiguren des Krieges: der Fotograf Motaz Azaiza etwa, der auf Instagram 18 Millionen Follower hat und im Januar aus Gaza ausreiste. Oder der Bürochef des arabischen Senders al-Jazeera, Wael Al-Dahdouh, der im Oktober vor laufender Kamera erfuhr, dass seine Frau, zwei seiner Kinder und viele weitere Angehörige gerade einem israelischen Angriff zum Opfer gefallen waren.