Ich bin leicht überrascht, dass man als Autofahrer allen Ernstes davon ausgeht, Verkehrs- und ganz besonders Vorfahrtsregeln würden eingehalten. Das muss unbedingter Anspruch an sich selber sein, klar. Bei anderen, insbesondere "schwächeren" ungeschützten Verkehrsteilnehmern muss man mit allem rechnen. Man sollte als KFZ-Fahrer nie vergessen, dass man die Betriebsgefahr gegen sich stehen hat. Im Klartext: Weil der Betrieb eines KFZ eine gefährliche und bewilligungspflichtige (es braucht den passenden Führerschein, also auch die daran gekoppelte Ausbildung...) Sache ist, ist man als Fahrer verpflichtet, dafür zu sorgen, dass dabei niemand anderes zu Schaden kommt. Dann ist da noch das Rücksichtnahmegebot und hoffentlich ein gut wirksamer Überlebenstrieb, der im Idealfall auch das unbeschadete "Überleben" des eigenen fahrbaren Untersatzes einschliesst.
Spätestens dieser hätte mir in so einer Situation geboten, zu bremsen, so dass ich - Vorfahrt hin oder her - notfalls halten kann. Hupen ist ja ein guter Ansatz, hat aber offenbar nicht gereicht. Ich werds nie verstehen: Da sieht man als Fahrer eines KFZ eine Gefahr kommen, tut aber so wenig wie irgend möglich, diese zu entschärfen. - Im Wissen darum, dass man aufgrund der Kausalhaftung immer bei denen ist, die dafür den Kopf hinhalten müssen werden, wenn was passiert. - Gut, ich muss nicht alles verstehen...
Rückblickend, bzw. für alle mitlesenden, vorausschauend: Was wäre so unbezahlbar teuer daran gewesen, im Zweifel langsamer zu machen oder einfach stehen zu bleiben?
Es geht nämlich nicht nur um den Sachschaden und mögliche Verletzungen: Ich kenne die Rechtslage in D in solchen Fällen nicht auswendig. In CH ist es aber so, dass solche Fälle auch dem Strassenverkehrsamt gemeldet werden, welches dann einen Führerscheinentzug prüft. - Meist kommt dann die Frage: Ja, aber geht nicht, ich brauche das Auto fürn Arbeitsweg! - Antwort der Behörde: Egal, solange sie nicht Berufschauffeur oder Taxifahrer sind, und selbst bei denen gibts nur marginal mehr Spielraum.
Wars das wert?
Ich glaube nicht. Zumal dann auch noch die Kosten von Strafmandat und Entzugsverfügung auf eine saftige Busse oben drauf kommen. Am Ende kaum viel billiger als der geschätzte Lackschaden.
Ich plädiere daher dafür, sich als Fahrer mehr nach dem Aspekt des Selbstschutzes zu richten, als nach dem, was einem Andere als Beispiel vorlegen.
Man wird mir selbstverständlich vorwerfen, ich sei ja sowieso der ewige Besserwisser. - Na und? Wenn ichs doch nun tatsächlich besser weiss, ist das das kleinste Problem. Traurig nur, dass das eigentlich Überlegungen sind, auf die jeder Führerscheininhaber von sich aus kommen müsste. Er kennt schliesslich die Verkehrsregeln und hat auch bestimmt irgendwann mal beigebracht bekommen, dass er niemanden schädigen darf, wenn er fährt. Der Rest ergibt sich in erster Linie aus Lebenserfahrung, in zweiter Linie aus Selbstschutz, und erst in dritter Linie aus den Verkehrsregeln. - Finde ich. Macht ihr weiterhin, was ihr für richtig haltet. Zu hoffen wäre, dass es durch solche Berichte beeinflusst wird, wo nicht sowieso vorausgedacht wurde oder wird.