Nach zwei emotionalen Episoden mit zwei wunderschönen C6, zwischenzeitlich ein C5, fahre ich seit etwa einem Monat und 3.000km den C5X.
Meine Frau und ich haben fast geflennt, als wir den zweiten Walfisch aufgeben mussten. Eine korrodierte Hydropneumatikleitung letztes Jahr auf dem Weg nach Italien belehrte uns, dass endgültig die Zeit für ein zuverlässigeres Fahrzeug gekommen ist. Das defekte Teil lag hinterm Tank, auf der Hebebühne von unten nicht sichtbar. Das obige Bild wurde übrigens nur wenige Stunden vor dem Desaster aufgenommen.
Es kam als nächster Wagen nur ein Citroen in Frage: meine Frau ist Französin, ihr Vater fuhr als Handwerker die Kastenente und den CX als Familienkutsche.
Jetzt der C5X Hybrid mit dem stärkeren Motor, Vollausstattung. Der Gesamteindruck: tolles Auto, superkomfortabel, eigenwilliges Design, viele praktische Ausstattungsdetails. Es macht Spass, das Auto zu fahren, sowohl in der Stadt, als auch auf der Autobahn. Des Design des Armaturenbrettes ließ bei meiner Frau sofort eine Assoziation mit dem CX aufkommen. In der Tat werden im C5X ja viele Anleihen aus den Vorgängermodellen integriert.
Bisher festgestellte Schwachpunkte: die Metall-Führungsschienen im Kofferraum lassen eine Getränkekiste bei jeder Kurve einen wahren Eiertanz aufführen. Eine Klettverschluss-Barriere hilft aber sehr gut, um solche Dinge sicher zu fixieren.
Die Sicht nach hinten und auch nach schräg- hinten ist im C5X erheblich eingeschränkt. Kein Vergleich zum nahezu vollverglasten C6. Die Heckscheibe erinnert an Sehschlitze eines Panzers, da macht natürlich ein Heckscheibenwischer wenig Sinn (hahaha). Ohne die 360°-Kamera läuft beim Rangieren garnix! Die Konfiguration der Heckspoiler bläst auf der Autobahn die Regentropfen vom Heck. Trotzdem schade, dass es die konkave Heckscheibe nicht mehr gibt. Geniale Kontruktion!
Auch die B-Säule rechts in Verbindung mit der Rücksitzlehne des Beifahrersitzes schränkt die Sicht insbesondere beim Rechtsabbiegen (Fahrradfahrer!) deutlich ein. Ebenso der Schulterblick nach links ist durch die B-Säule leicht eingeschränkt. Glücklicherweise sind die Seitenspiegel sehr groß dimensioniert (im Gegensatz zu den Kosmetikspiegelchen des C6).
Bisher bin ich das Fahrzeug ohne aufzuladen gefahren, da ich abwarte, bis sämtliche Ladestationen mit Kreditkarten bedient werden können. Wallbox genehmigt mein Vermieter nicht (wählt sein Jahrzehnten „Grün“), Ladestationen in Berlin Gatow: Fehlanzeige. Ich komme auf Verbräuche zwischen 5,7 und 7,7 Liter und im Schnitt 6,6 Liter auf 100km.
Der B-Modus wird immer genutzt. Jeder Bremsvorgang wird sehr effizient in elektrische Energie umgewandelt. Somit lässt sich das Fahrzeug in der Innenstadt mit bisher bis zu 54% gemessen emissionsfrei bewegen - bei leerer Batterie!
Ich möchte noch ergänzen, dass im B-Modus der in der Fahrassistenz ausgelöste automatische Bremsvorgang (bei aktivierter Cruise-Control) auch zu einer sehr effizienten Rekuperation führt. Offensichtlich wird sogar in dieser Fahrassistenz beim Bremsvorgang nicht die Bremse primär aktiviert, sondern das Fahrzeug rollt gegen den Generatorwiderstand aus. Somit macht das gelassene Auffahren auf vorausfahrende langsamerer Fahrzeuge richtig Spass ...
Beim e-save-modus muss ich noch herausfinden, inwieweit dieses aus Kosten- und Umweltgründen sinnvoll sein kann. Wütende Umweltfetischisten verteufeln diesen Modus ja auf das Schärfste. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit auf der Autobahn dürften sich Rollwiderstand, Gewicht und Widerstand durch den Generator gegeneinander aufheben, so dass das aktive Aufladen im Benzinbetrieb dennoch effizient und umweltfreundlich zugleich sein kann. In den vorherigen Beiträgen habe ich auch gelesen, wie effizient mache e-save zu nutzen wissen. Da muss ich mich noch einarbeiten.
Nebenbeibemerkt: angesichts der Tatsache, dass der Anteil der Kohleverstromung in Deutschland deutlich zugenommen hat - dank grüner Umweltpolitik - sehe ich prinzipiell keinerlei Frevel darin, den Stom durch Benzinverbrennung zu gewinnen, wenn das Benzin gleichzeitig der aktiven Fortbewegung dient.
Cool auch die Möglichkeit, den Beifahrersitz mithilfe eines links an der Lehne angebrachten Schalters zu verstellen. Das hört sich erst einmal nach Schnickschnack an. Aber wenn man über die rechte Hecktüre einen etwas sperrigen Gegenstand auf dem Fahrzeugboden abstellen möchte, hilft dieser Schnickschnack ungemein, da die Beifahrertüre geschlossen bleibt.
Auch die per Fußbewegung automatisch sich öffnende Heckklappe möchte ich nicht mehr vermissen. Wer zwei Bierkisten vor seiner Wampe trägt und on top für die Party diverse Kartoffelsalat-, Chips- und Tetrapacks zu liegen hat, muss nur noch einbeinig ein kleines Tänzchen mit dem freischwebenden Fuß unterhalb des Stoßfängers ausführen. Das trainiert die eigenen Hüftmuskeln und die Lachmuskeln der Umstehenden. Aber es funxt.
Der große Touch-Screen und die Konfigurationsmöglichkeiten sind prima. Im Prinzip reicht die Übersicht über sämtliche Apps und eine kleine Radiosenderauswahl aus. Die nette Darstellung des Fahrzeugumrisses mit dem grünen Rekuperationsflow ist entbehrlich. Der Querbalken über dem tacho mit der Rekuperation und Ecoanzeige reicht völlig aus und ist aus Fahrersicht auch ergonomischer. Was ich jedoch vermisse, ist die Möglichkeit, sämtliche Fahrzeugparameter sowohl auf dem "Tacho-Screen" als auch auf dem Monitor darzustellen. Ich bin sehr oft im Sommer in Südfrankreich oder in Italien unterwegs. Da kocht bei mehr als 40° Außentemperatur schon einmal der Asphalt auf der Autobahn. Da hätte ich schon gerne die Öl- und Kühlwassertemperatur aber auch Motordrehzahl sowie Verbrauchsparameter inkusive die Rekuperationsanzeige zusammen abgelesen. Geht leider nicht. Man kann sie aber am "Tachomonitor" entsprechend konfigurieren und einzeln abrufen. Abgesehen davon wird lediglich die Kühlwassertemperatur angezeigt, Öltemperatur? Fehlanzeige!
Der TomTom-Navi ist OK. mich stört, dass der Balken, der lediglich per Pfeil den nächsten Richtungswechsel anzeigt, ausgerechnet die Sicht der Gesamtdarstellung in dem oberen Bereich verdeckt - also dort, wo es hingehen soll. Auch ist ein BREITER Monitor im Navi völlig sinnfrei. Der Monitor sollte fürs Navi länglich angeordnet sein - wie beim Tesla.
Ein Wort zur Federung: der Wechsel von der Hydropneumatik eines C6 zur Advanced-Comfort-Federung eines C5X geschah bei mir quasi über Nacht. Fazit: mit der Advanced-Comfort-Federung haben die Citroen-Ingenieure zweifellos eine wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Langstreckenfahrten sind ein Genuss, auf unebenen Straßen werden die katastrophalen Verhältnisse deutscher Autobahnen weggebügelt. Aber zwischen dieser Federung und der einzigartigen Hydropneumatik liegen dennoch Welten! Das ist sicherlich auch Ansichtssache, ich als ehemaliger Marinearzt habe die Schaukelei geliebt…
Man sieht den C5X selten auf deutschen Straßen. Selbst in Frankreich ist er mir noch nicht oft begegnet. Das sorgt dafür, dass er ein Hingucker bleibt. Aber es zeigt auch wieder einmal citroentypisch, dass es sich um ein verkanntes Fahrzeug handelt - wie seinerzeit der C6 oder der XM.
Preislich ist der Hybrid ok, angesichts der hervorragenden Ausstattung, der Verarbeitung und der Technik. Ich würde ihn übrigens nie ohne Schiebedach kaufen. Ich persönlich liebe das offene Dach, zudem muss die Klimaanlage weniger eingesetzt werden, was wiederum den Akku schont. Ich bin der Meinung, dass für diejenigen, die mit einem geringen Budget nicht nur einen guten Hybrid, sondern auch ein sehr gutes Auto kaufen möchten, ein Gebrauchtwagen mit Garantie und Vollausstattung die beste Lösung ist. Aber auch ein C5X als Neuwagen mit den erwähnten Attributen ist im Vergleich zur heimischen Konkurrenz eine sinnvolle Überlegung.