Ein Kommentar auf FB:
Achtung: Bitte nur lesen, wenn du sachlich kommentieren möchtest. Egal, wie ihr den Nahostkonflikt seht, ich höre euch zu und diffamiere euch nicht als „Araberhasser“.
Daher möchte ich auch nicht als Antisemitin bezeichnet werden, wenn ich näher hinschaue. Ich lasse mich bei meinen Betrachtungen immer von meinem Gewissen und meinen Werten leiten, mir liegen Antisemitismus und Rassismus fern, als Atheistin ist mir es völlig egal, woran jemand glaubt, finde es aber immer wieder spannend, mit Gläubigen über Religion zu diskutieren und diese dabei in allererster Linie zu respektieren.
Meine Recherchen kosten mich Zeit, die ich eigentlich im Moment gar nicht habe, und Mühe, daher möchte ich aufgrund dieser nicht diffamiert werden.
Letztendlich könnt ihr euch sicher sein, dass ich immer auf der Seite von Menschen stehe, egal ob sie Israelis, Amerikaner, Araber, Muslime, Juden, Christen oder sonst was sind.
Jetzt komme ich zu meiner Frage, die da lautet: Amsterdam – ein Pogrom?
Zunächst einmal hat mich das, was dort passiert ist, geschockt, darüber
habe ich gestern schon geschrieben, es hat mich betroffen gemacht und immer, wenn mich etwas betroffen macht, dann recherchiere ich, will alles darüber wissen. Auf die schlimmen Bilder, die Angriffe auf Isralis zeigen, gehe ich hier nicht nochmal ein. Diese Bilder kennt ihr alle, sie wurden in den letzten Tagen oft gezeigt, diskutiert und haben uns geschockt. Ich gehe auf das ein, was wir hier nur als Randnotiz lesen können und so gut wie gar nicht diskutiert wird. Das mache ich nicht, um es zu verschweigen, sondern wir haben es alle gesehen und bereits viel darüber diskutiert.
Zunächst meine Recherchen:
Die meisten der insgesamt 3.000 angereisten Maccabi-Fans waren keine
harmlosen Fußballfreunde, sondern ultrarechte Ultras – andere sagen
Hooligans, die durchaus kampferprobt sind.
Israelische Hooligans sind und waren schon immer stark politisiert. Es ist also nicht überraschend, dass der Konflikt seit dem Beginn des Gaza-Krieges in die Fußballszene übergeschwappt ist. Erkennbar an den vielen anti-arabischen, teilweise sogar genozidalen, Sprechchören an dem betreffenden Tag in Amsterdam.
Da hörte man zum Beispiel „F***t die Araber – Ole, ole" und „In Gaza
gibt es keine Schulen mehr, weil es keine Kinder mehr gibt". So skandierten die Hooligans direkt nach ihrer Anreise. Dazu gibt es im Netz zahlreiche Videos.
Maccabi-Fans waren schon in der Vergangenheit mit ‚Tod den Arabern'-Rufen auffällig, zum Beispiel in Athen. Maccabi-Ultras gelten als gewaltbereit.
In Athen wurde ein Mann krankenhausreif geschlagen,
weil er mit einer Palästina-Flagge vor den Hooligans posierte. Mich wundert es daher, dass die Behörden offensichtlich nicht ausreichend auf diese Eskalation vorbereitet waren, aber das ist ein anderes Thema.
Folgt man Social Media-Videos, sieht man, dass Maccabi-Ultras in Amsterdam Palästina-Flaggen heruntergerissen und angezündet haben.
Mehrere vermummte Männer schlagen schließlich auf einen Taxifahrer ein
bis dieser wehrlos auf dem Boden liegt. Die Täter, laut Berichten des niederländischen Fernsehsenders RTL Nieuws Maccabi-Ultras, verstecken
sich nach einer Konfrontation in einem Hotel. Die Attacke, deren Aufnahmen in den sozialen Medien weit verbreitet wird, ist wohl der Katalysator für die Gewalt die dann folgte.
Im Stadion störten die Hooligans dann eine Schweigeminute für die spanischen Flutopfer mit weiteren antiarabischen Sprechchören, es wurde währenddessen auch Pyrotechnik gezündet.
Eigentlich war eine propalästinensische Demonstration vor dem Stadion geplant, auf der der Ausschluss aller israelischen Vereine von europäischen Wettbewerben gefordert werden sollte. Die Amsterdamer Bürgermeisterin verlegte die Kundgebung auf einen Platz, der gut einen Kilometer vom Stadion entfernt ist. Dort versammelten sich laut der öffentlich-rechtlichen NOS 300 Menschen. Einige von ihnen versuchten trotz Verbots, zum Stadion vorzudringen, und lieferten sich dabei
Scharmützel mit der Polizei. Die Demonstrierenden riefen propalästinensische Parolen in Richtung der israelischen Fans. Dass antijüdische Parolen gerufen wurden, ist nicht bekannt, ich habe auch keine derartigen Videos gefunden.
Im Laufe des Donnerstags hatte die Polizei bereits etwa zehn Anhänger
aus Tel Aviv festgenommen, weil sie verbotene Feuerwerkskörper bei sich
trugen, berichtete AFP. Sie waren demnach zuvor im Zentrum der Stadt mit der Polizei zusammengestoßen. Auf einem von Reuters verifizierten Video
war zu sehen, wie Maccabi-Fans im Vorfeld des Spiels Fackeln zündeten
und in Anspielung auf die israelische Armee skandierten: »Olé, olé, lass
die IDF gewinnen, wir werden die Araber ficken.« Auch in der Nacht zu Donnerstag habe es laut Polizei bereits »Vorfälle auf beiden Seiten« gegeben.
Demnach rissen Maccabi-Fans eine palästinensische Flagge nieder
und zerstörten das Taxi. Zudem sei
eine Flagge Palästinas auf einer zentralen Straße verbrannt worden.
Die Maccabi-Ultras gehören zu den rassistischen Fangruppen in Israel.
Sie unterstützen voll und ganz die Politik des Kabinetts Netanjahu. Auf
einem längeren Video auf dem Youtube-Kanal »PI ALFA« ist zu sehen und zu
hören, wie sie in der Amsterdamer City jeden schwarzen Passanten mit
Affengrunzen beleidigten. Der Kanal PI Alfa beschäftigt sich schon seit
Jahren mit Fußball Fankulturen, politisch motiviert ist der Kanal nicht.
Die Ultras von Maccabi sind auch in der israelischen Liga berüchtigt. Friedlich waren diese Anhänger ganz sicher nicht.
Amsterdams Muslime, die 12 Prozent der Stadtbevölkerung ausmachen,
fühlten sich daher angefeindet. Das soll jetzt nichts relativieren, es gehört aber zu der Berichterstattung dazu.
Ich persönlich (ACHTUNG! MEINUNG) sehe das als Geschichtsrelativismus,
wenn Politiker*innen und Medien jetzt das desinformative Bild eines Pogroms an Juden daraus konstruieren wollen. Eine faktische Verharmlosung der Verbrechen der Nationalsozialisten, bei dem man gewaltbereite, rechtsradikale Hooligans mit den Opfern des Nationalsozialismus gleichsetzt.
Mittlerweile muss ich mir folgende Frage stellen: Möchte man damit den Protest gegen die israelische Kriegsführung delegitimieren? Ich fühle mich immer unwohler, wenn ich meine Meinung dazu schreibe, werde dazu aber weiter nicht schweigen, das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.