Ich denke, in diesem Satz hast Du schon einen Erklärungsansatz: Warum sind junge Menschen so frustriert, dass sie sich für etwas einspannen lassen, was ziemlich sicher ihren Tod bedeuten wird?
Ich fand Deine Fragen oben viel interessanter und habe die Antwort darauf wieder gelöscht (ich bin einfach müde und mag diese bewussten Fehlinterpretationen nicht mehr lesen).
Ist das wirklich der Ausgangspunkt? Ich denke nein. Ich bin nach wie vor ein großer Freund Perspektiven zu ändern und eine andere Blickrichtung zuzulassen. Daher:
- nein, die Hamas hat nicht geglaubt, das sie damit durch kommt. Dazu müsste sie komplett realitätsfern sein. Jetzt kann man einfach alle als Irre abtun; man hat schnell recht, aber leider kein Problem gelöst.
- ja, ich denke die Hamas hat ziemlich genau mit so einer Reaktion gerechnet. Wo sie sich total geirrt hat, ist bei der Annahme, das Hisbolah und vorallem der Iran entschieden auf ihrer Seite kämpfen und sich dadurch andere Gruppen und Staaten anschliessen würden. Da liegt die eigentliche Fehleinschätzung der Hamas. Der Iran will keine direkte Konfrontation, wenn er nicht gewinnen kann und viele andere Staaten suchen nach einer friedlichen Koexistenz mit Israel.
- nein, wozu? Die Hamas hat sich von ihrem Ursprung weit entfernt. Auch das hat eine innere Logik. Sie ist entstanden aus dem Glauben/Wissen, dass eine friedliche Veränderung nicht stattfinden wird und hat sich permanent radikalisiert. Dazu hat Israel leider einen entscheidenden Teil mit beigetragen. Alles lange her - aber in einer Phase der Stärke bestehende Probleme aussitzen zu wollen, fällt einem leider fast immer auf die Füße. Und das vielspäter als man es sich denkt. Meiner Meinung nach fängt diese Phase spätestens mit der Ermordung Jitzchak Rabin an. Die zunehmende Perspektivlosigkeit kann man einfach der Hamas unterschieben: warum habt ihr Tunnel gebaut und keine Infrastruktur? Klingt so schön einfach und simpel - und ist leider in dieser Form, so absolut, falsch: die Kosten für die Tunnel sind ein Bruchteil von dem, was zum Aufbau einer funktionierende Infrastruktur notwendig gewesen wäre. Unabhängig vom nicht vorhandenen Geld (ja, es sind Millionen dort versenkt worden und wie immer haben sich ein paar Arschlöcher davon fette Karren gekauft) kommt, das wir über ein zerrissenes Gebiet sprechen. Neben Häfen, Krankenhäusern, Schulen etc. hätte es auch Landwirtschaft und Industrie, Verwaltung etc geben müssen. Nur, der Gaza hat davon erst einmal nichts. Und hatte es auch nicht. Die Bedingungen sind denkbar ungünstig. Bei der Art der "Hilfe", die UN und Co geleistet haben, gab es dort faktisch keine Chance auf eine Weiterentwicklung auf ein erträgliches Niveau. Hinzu kommt natürlich auch der kulturell geschichtliche Hintergrund der dort lebenden Menschen. Diese Region war keine hoch entwickelte Region, weder wirtschaftlich noch was wir als kulturell hoch, wirtschaftlich und verwaltungstechnisch notwendig ansehen.
Das alles einfach mal mehr oder weniger anzuerkennen erklärt, warum die dritte, vierte oder fünfte Generation keine Zukunftsperspektive sieht. Und das erklärt Radikalisierungsprozesse: wenn ich absolut keine Chance auf ein normales Leben sehe, bin ich zu vielen Dingen bereit. Aus dieser Situation trozdem einen positiven Weg einzuschlagen ist wünschenswert - aber ist das für eine breite Bevölkerung realistisch?
Aus dieser Logik (und noch ordentlich Glaubenstinnef dazu) entstand die Hamas. Und so handelt sie auch.