Butkevych: Ich selbst habe einen antiautoritären, anarchistischen Hintergrund und habe an Protesten gegen den Irakkrieg teilgenommen. Doch irgendwann hat sich der Antiimperialismus vieler Linker, mit denen ich auch damals gemeinsam protestierte, wohl in Antiamerikanismus und Prorusslandismus verwandelt. Und wenn ich dann das russische Fernsehen schaue, sehe ich, wie unsere Slogans über den Globalen Norden und den Globalen Süden, über internationale Gerechtigkeit, von der russischen Propaganda ausgenutzt werden. Bei den Linken, die gegen eine Unterstützung der Ukraine sind, denke ich mir: Ihr wart für globale Gerechtigkeit.
Dieser Krieg ist doch die ungerechteste Sache, die in diesem Teil der Welt passiert. Wenn ihr antiimperialistisch seid, seid ihr gegen Imperien – im Plural. Mit eurer Haltung unterstützt ihr aber gerade ein Imperium im Entstehen dabei, Millionen von Leben zu zerstören, und ich übertreibe nicht. Das ist eine Schande. Ihr wollt euren Komfort gegen Millionen von Menschenleben eintauschen, anstatt sie zu unterstützen. Es wird aber ein Scheinkomfort sein, denn die Russische Föderation besetzt und verwüstet nicht nur ukrainisches Territorium, sondern demontiert auch absichtlich alles, was vom internationalen Sicherheitssystem übrig geblieben ist. Das humanitäre Völkerrecht wird vor unseren Augen zerrissen, es ist zu einem Witz verkommen. Alle Abkommen kosten jetzt weniger als das Stück Papier, auf dem sie geschrieben sind. Entschuldigen Sie, dass ich mich hier etwas aufrege.
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