Das ist sicher auch ein Grund. Dennoch gibt es Branchen, in denen sich die Fehlzeiten stark erhöht haben. Hier sollte man mal über die Gründe dafür nachdenken. Ein sehr wichtiger Grund ist sicher die teilweise unterirdische Unternehmenskultur hierzulande. Führungskräfte, mangelnde Flexibilität usw.
Außerdem fehlen vielerorts Fachkräfte, so dass die, die noch arbeiten, ständig überlastet und irgendwann "platt" sind, z.B. in der Pflege, aber auch im Handwerk.
Darüber hinaus verharrt man hier in industriellem Denken des 20. Jahrhunderts, das auch den Arbeitsbegriff prägt. Die Digitalisierung und erst recht KI werden das Verständnis von Arbeit und ihre Gestaltung mehr verändern als die meisten Menschen heute wahrhaben wollen. Viele Dinge haben sich grundlegend geändert, aber wir denken tatsächlich immer noch über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach und kommen nicht besonders gut vorwärts in diesem Thema, manche Politiker in Bayern sprechen sogar darüber, dass man "KITAs gar nicht brauchen würde, wenn Frauen ihre Aufgaben übernehmen würden". So rückständig denkt und lebt man. Kindergartenplätze sind ein wichtiger Standortfaktor und sind direkt mit der Arbeitswelt verbunden. So waren im vergangenen Jahr die Fehlzeiten der Mitarbeiterinnen in unserem Betrieb sehr häufig mit der schließung einzelner KITA-Gruppen oder der ganzen KITA wegen Personalmangels begründet. Das ist nur ein kleines Beispiel.
In den vergangenen Jahren sind so viele Dinge in der Realität (Infrastruktur, ...), aber auch in unseren Köpfen einfach liegen geblieben. Wir haben nicht nur einen Investitionsstau, sondern auch völlig fest gefahrene gedankliche Modelle. Das "Weiter so, Deutschland" von Frau Merkel rächt sich und bis heute hat man kaum "Neuland" betreten. Fatalerweise sehnen sich viele Menschen auch noch zurück zu diesser Zeit.
Wenn ich dann sehe, dass Herr Merz vor dem Bild von Adenauer eine neue Zeit einläuten will, wird mir klar, dass der Wille zur grundlegenden Veränderung nicht vorhanden ist. Es bleibt schwierig, äußerst schwierig.