Konflikte in deutschen Redaktionen
Journalistinnen kritisieren
„Doppelstandards" bei
Berichten über Israel und Gaza
Unsere Recherche zeigt: Deutsche Redaktionen berichten aus Sicht von Mitarbeitenden häufig unausgewogen über den Nahost-Konflikt. Es bräuchte einheitliche Standards, vielfältigere interne Debatten und eine ehrliche Aufarbeitung.
//Der deutsche Journalismus sei „rassismusunsensibel“, sagt eine Journalistin, die als freie Korrespondentin aus Ländern Westasiens berichtet. Gewünscht würden oft einseitige, unterkomplexe Narrative, die antiarabische Stereotype bedienten: Der arabische Mann, der seine Frau unterdrückt oder als Terrorist zur Waffe greift, lasse sich als Thema besser verkaufen als der arabische Nothelfer oder die junge muslimische Feministin, die gegen Waffenexporte protestiert.
Oft spiele ein eurozentristisches Weltbild eine Rolle. Konflikte würden nicht historisch und differenziert eingeordnet, sondern als „inhärent für die Region“ und „unlösbar“ angesehen. Auch andere Journalistinnen, mit denen wir gesprochen haben, berichten von pauschalen Vorurteilen gegen Menschen mit arabischen Wurzeln und Teilnehmende bei Protesten für palästinensische Anliegen.
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Allgemein anerkannte Maßstäbe für kritische Berichterstattung, wie etwa das Völkerrecht, galten nicht mehr als objektive Kriterien, um etwa das Vorgehen Israels zu bewerten. Redakteurinnen und Redakteure entzogen sich ihrer journalistischen Verantwortung, indem sie schwierige Thesen oder Gesprächspartner lieber aussparten, anstatt sich damit auseinanderzusetzen. Sie wählten Minimallösungen, indem sie vor allem offizielle Quellen wiedergaben, oder griffen in Redigaten auf Phrasen zurück – etwa der, dass sich Informationen der palästinensischen Gesundheitsbehörde nicht überprüfen lassen.