Die jüdische Stimme für einen gerechten Frieden:
Wir sind jetzt Zeug*innen – das heißt sogar die Leugner und größten Israel-Unterstützer wie der Hochschulklehrer Marco Masala, der keine Gelegenheit ausließ, seine Unterstützung für Israels Vorgehen zu bekunden – des letzten Stadiums des Völkermords, den Israel in Gaza begeht. Vielleicht zitiert nur noch Wolf Biermann Golda Meir auf dem Weg in die Hölle. Abgesehen von ihm kann inzwischen niemand mehr den Spagat halten zwischen dem hohlen Satz „Israel hat das Recht, sich zu verteidigen“ und den Gräueltaten, die wir Tag für Tag sehen.
Israel – wieder einmal mit einem bombastischen Namen und biblischem Bezug, ganz wie es sich für einen guten Protestantismus gehört – hat das letzte Krankenhaus in Gaza bombardiert. Die letzten fünf Ärztinnen verließen es mitsamt den Patientinnen, weil sie ohnehin nichts mehr für sie tun konnten.
Auf Hebräisch heißt es so "IDF-Sprecher: Fünf Divisionen sind derzeit in Gaza im Einsatz. Anders als in der Vergangenheit werden wir diesmal angreifen, bis ein entscheidender Sieg errungen ist."
Jetzt, nachdem so viele Deutsche sichergestellt haben, dass jemand anders ihren Platz in der Geschichte als die „Bösen“ einnimmt, erinnern sie sich plötzlich daran, eine Träne zu vergießen oder ihre Ehre zu retten. Im deutschen Radio betont der Sprecher plötzlich „jeden Tag“, wenn er sagt: „Das vom Hamas geführte Gesundheitsministerium meldete 125 Tote.“ Das passiert *jeden Tag*. Ach wirklich? Wer sollte denn das Gesundheitsministerium sonst führen? 18 Monate lang hörten wir „das vom Terrororganisation Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium“. Der Zusatz „Terrororganisation“ fällt inzwischen seltener. Vielleicht ist das eine Art subversiver Widerstand der folgsamen deutschen Radiomoderator*innen?
Bemerkenswert ist, dass es im gesamten Westen echten Widerstand gibt – ohne dass es jemanden in der politischen oder gesellschaftlichen Elite zu stören scheint. In London – und Großbritannien ist aktiv an diesem Genozid beteiligt, indem es Aufklärungsflüge von Zypern aus über Gaza durchführt – gehen die Menschen seit dem 7. Oktober ununterbrochen auf die Straße. Am Wochenende waren wieder eine halbe Million Menschen dort. Auf US-amerikanischen Campussen dauern die Proteste an, Studierende riskieren ihre Abschlusszeugnisse mit Reden bei der Graduation und werden von Polizisten geschlagen udn verhaftet. In Italien, Belgien, Frankreich, Norwegen und Dänemark gehen Menschen auf die Straßen. Eine spanische Journalistin, die aus Deutschland berichtet und in Berlin bleiben möchte – „weil ich hier die Geschichte neu erlebe“ – berichtete von einer Demonstration in Madrid. Etwa 100.000 Menschen marschierten bis zum Parlament und schrien gegen die Regierung, die mit Israel kooperiert. Und das unter der Aufsicht von lediglich drei Polizisten, wie sie beobachtete. In Berlin gehen die Menschen jede Woche auf die Straße, obwohl sie jedes Mal ihre körperliche und seelische Gesundheit riskieren.
Doch das alles interessiert die gewählten Politikerinnen nicht. Was das Volk denkt, spielt keine Rolle, solange die Medien weiter ihre eigene Fantasien über die Vernichtung der Jüdinnen uns für ihre Projektionen misbrauchen. In Talkshows wird eine 2Debatte" über diesen oder jenen Slogan mit ernsthater Miene geführt. In Wirklichkeit: Israel betreibt ethnische Säuberung und Völkermord, damit zwischen Mittelmeer und Jordan nur Jüd*innen leben.
In Den Haag versammelten sich heute zwischen 70.000 Menschen (laut Polizei) und 100.000 (laut Veranstalter*innen), um gegen den Völkermord Israels zu protestieren. Sogar der Sprecher im deutschen Radio klang fast erleichtert, dass er über eine Proxy-Demo so berichten konnte. Er hat es auch geschafz ohne ein Mal das Wort "Antisemitismus" in den Mund zu nehmen!
Selbst wenn Netanyahu nicht in Den Haag landen sollte: Das Stigma, das Israel sich verpasst hat, wird nicht verschwinden (Dem Aufruf, heute um 17 Uhr alles stehen und liegen zu lassen und zur Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen zu kommen, folgten nur 500 Israelis). Und das Stigma ist zurück – auch für Deutschland.