Andere Länder haben durchaus auch eine korrupte und undemokratische Regierung. Wenn Israel die alle besetzen möchte, viel Spaß.
Leider bist Du wirklich Blind auf einem Auge: auch die Existenz der korrupten palästinesischen Regierung hat einen Grund. Z.B. kam die Unterstützung aus dem Unrecht israelischer Politik und der damit einhergehende Perspektivlosigkeit vieler Menschen im Gaza und auch im Westjordanland. Diese Tatsache ignorierst Du leider komplett: aus Perspektivlosigkeit und Ungerechtigkeit entsteht leider häufig irgendwann auch Terror.
Ich würde Dich mal bitten, in einer ruhigen Minute einfach mal zu überlegen, wie es für Dich wäre, wenn schon Deine Eltern und Großeltern vertrieben und in wirtschaftlicher Not leben würden. Seit vier oder fünf Generationen keine Perspektive vorhanden ist, keine vernünftige Ausbildung und nicht klar ist, wo im nächsten Jahr gelebt werden kann. Das Land, was ihr vielleicht noch besitzt jederzeit durch Siedler besetzt werden darf, Du absolut keine Rechte hast, dagegen vorzugehen. Dazu kommt, dass in Deiner Familie unzählige von Menschen verprügelt, vertrieben oder enteignet, getötet wurden.
Das ist seit Jahrzehnten die Lebenssituation vieler Palästinenser im Gaza und Westjordanland.
Alles auf die Führung zu schieben ist Schwachsinn: diese Fragmente von Gebieten hätten auch bei bestmöglicher Führung wenig Chancen wirtschaftlich autonom, unabhängig und mit Perspektive zu sein. Sie haben keine Industrie, keine Bodenschätze, keine ausreichend guten Böden für Landwirtschaft, keinen Zugang zu Wasser (das wird von Israel kontroliert und wie sie es machen ist sehr einfach nach zu lesen). Und, sie haben absolut keine wissenschaftliche Intelligenz - die wenigen Ausgebildeten sehen zu, in anderen Ländern leben zu können - wer soll es ihnen verdenken.
Vor all diesem Hintergrund schreibst Du nur, "sie haben selbst schuld". Dazu möchte ich Dich nur eins Fragen: welche Schuld tragen wir den dann, denen es doch sehr gut geht und die wir hier und in der Schweiz zu ca. 20-30 Prozent Rechtsextreme wählen. Sozusagen die Hamas ohne Koran. Und was würden wir unter den Bedingungen im Gaza machen? Ich glaube, das möchte ich nicht wirklich wissen.
Meine Stimme hat wenig Gewicht, leise Töne sind ja auch mehr den je Geschichte. Aber ich würde mich Fragen, woher kommt ein Konflikt und aus diesen Erkenntnissen würde ich nach Lösungen suchen.
Die erste Grundannahme von mir ist, dass kein Mensch dem es gut geht, zu Terror neigt (die wenigen, die aus psychischen Problemen dazu neigen, sind eine so extrem kleine Minderheit, dass sie für eine Lösung wirklich keine Rolle spielen). Somit ist die erste und wichtigeste Grundlage eine Lösung, die Perspektive für ein Leben bietet.
Die zweite Grundlage ist, dass der Stärkere die Macht und die Fähigkeit hat, Lösungen vorzuschlagen. Er hat den Spielraum - der Schwächere kann eigentlich nur Reagieren. Daraus leitet sich Verantwortung ab. Diese sehe ich seit Menachem Begin nicht.
Die dritte Grundlage ist, dass es keine Gerechtigkeit geben kann. Daher muss die vorliegende Perspektive so attraktiv sein, dass sie für die Zeit des Schmerzes beiden Seiten zeigt, dass alles Andere deutlich schlimmer wäre. Dazu gehört eindeutig ein Existenzrecht aller dort lebender Menschen. From the river to the sea ist es genauso wenig, wie die Politik Israels - das Eine ist der laute Schrei nach Vertreibung, das Andere die faktische Vertreibung ohne Geschrei.
Letzendlich muss jede Gesellschaft ihre eigene Führung wählen: in Israel hat man sich für einen Verbrecher in Zusammenarbeit mit Rechtsradikalen entschieden. Im Gaza für eine Terrorgruppe. Im Westjordanland für eine PLO Variante - mag sie korrupt sein (was Netanjahu nun wirklich nicht stören dürfte), aber sie verhält sich definitiv nicht terroristisch Israel gegenüber - und was ist die Antwort der Israelischen Regierung? Das:
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/israel-siedlungsbau-westjordanland-102.html
was glaubst Du, wie Du reagieren würdest, wenn Du von dieser Annektion betroffen wärst? Mit Blumen und Liebe?