Al Jazeera:
In einer neuen Erklärung erklärt die Hamas, sie habe sich uneingeschränkt an das am 9. Oktober 2025 in Scharm El-Scheich unterzeichnete Waffenstillstandsabkommen gehalten, das von Ägypten, Katar, der Türkei und den USA unterstützt wurde. Israel habe das Abkommen hingegen vom ersten Tag an „vorsätzlich und wiederholt“ verletzt. Die Hamas erklärte, sie habe den Vermittlern dokumentierte Beweise, Fotos und Listen der Verstöße vorgelegt.
1. Angriffe auf Zivilisten
Die Hamas warf den israelischen Streitkräften vor, „vorsätzlich Zivilisten in genehmigten Gebieten anzugreifen“. Bis 14:30 Uhr wurden dabei 46 Palästinenser getötet und 132 verletzt. Die Hälfte der Opfer waren Frauen, Kinder und ältere Menschen. Unter den Opfern befand sich auch die Familie Abu Shaban, die bei einem einzigen Angriff vollständig ausgelöscht wurde. Die Hamas erklärte, diese Taten seien Teil der anhaltenden Bemühungen Israels, „das Abkommen zu untergraben“.
2. Überschreiten der gelben Linie
In der Erklärung heißt es, dass israelische Streitkräfte weiterhin ein Gebiet 600 bis 1.500 Meter jenseits der vereinbarten „gelben Linie“ kontrollieren und angreifen. Sie feuern Artillerie ab, setzen Drohnen ein und blockieren die Rückkehr vertriebener Zivilisten. Die Hamas erklärte, das angegriffene Gebiet betrage rund 45 Quadratkilometer und bezeichnete dies als „eklatanten Verstoß gegen die Rückzugslinie“.
3. Blockierung humanitärer Hilfe
Die Hamas warf Israel vor, den Zugang für humanitäre Hilfe massiv einzuschränken, darunter ein nahezu vollständiges Verbot wichtiger Nahrungsmittel wie Fleisch, Geflügel und Vieh. Die Treibstofflieferungen erreichten nur 7,1 % des vereinbarten Niveaus, und auch die Einfuhr landwirtschaftlicher Betriebsmittel und Solaranlagen wurde blockiert. Darüber hinaus wurde der Grenzübergang Zikim geschlossen, was die Hilfslieferungen weiter behinderte.
4. Verhinderung der Reparatur der Infrastruktur
Die Hamas erklärte, Israel habe die Einfuhr wichtiger Ausrüstung für die Wiederherstellung der Strom-, Wasser-, Abwasser- und Kommunikationsnetze sowie von Baumaterialien und Bargeld für Banken blockiert. Außerdem wurde die Lieferung medizinischer und ziviler Schutzausrüstung untersagt, was wichtige Wiederaufbaubemühungen verzögerte.
5. Verpflichtungen gegenüber Gefangenen
Die Hamas erklärte, Israel verzögere weiterhin die Freilassung von Frauen und Kindern aus seinen Gefängnissen, habe keine genauen Häftlingslisten oder die Namen von Hunderten von Palästinensern vorgelegt, deren Leichen weiterhin zurückgehalten werden, und habe Familien von entlassenen Häftlingen, die im Ausland im Exil leben, daran gehindert, das Westjordanland zu verlassen, um sich mit ihren Angehörigen zu vereinen. In der Erklärung hieß es weiter, Gefangene seien auch nach ihrer Freilassung systematischer Misshandlung, darunter Schlägen, Folter und Demütigung, ausgesetzt gewesen.
6. Misshandlung von Leichen
Die Hamas gab an, die Leichen von 150 Palästinensern erhalten zu haben. Einige von ihnen waren mit Handschellen gefesselt, hatten Augenbinden oder wiesen Anzeichen von Hinrichtungen und Zerquetschung durch israelische Maschinen auf. Viele der Leichen sind noch nicht identifiziert. Die Hamas forderte die dringende Bereitstellung von DNA-Testgeräten und schwerem Gerät, um weitere unter Trümmern eingeschlossene Leichen zu bergen, und betonte, dass diese Handlungen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit seien, die internationale Rechenschaftspflicht erforderten.
Die Hamas bekräftigte ihr uneingeschränktes Engagement für das Abkommen und forderte die Vermittler auf, Druck auf Israel auszuüben, damit es alle Bedingungen einhält und umsetzt. Sie machte Israel für jede Verschlechterung oder jeden Zusammenbruch des Waffenstillstands verantwortlich und rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, diese Verstöße umgehend zu beenden und die Einhaltung des Abkommens sicherzustellen.