Kristin Helberg Auszüge aus Deutschlandfunkinterview :
Was können Irans Demonstrierende an Unterstützung von außen erwarten? Die bittere Wahrheit ist: nichts. Die Visionen der Machthaber in den USA, in der Region und in Israel sind unterschiedlich, aber für Freiheit, Mitbestimmung und Demokratie im Iran interessiert sich niemand. Mehr dazu in meinem Interview mit dem DLF. Hier ein paar Aspekte daraus:
Für die Regionalmächte am Golf (S.A., Qatar, VAE) sowie Ägypten und die Türkei ist ein geschwächter Iran besser als ein kollabierender Iran. Die Islamische Republik hat ihren regionalen Einfluss weitgehend eingebüßt, die "Achse des Widerstands" liegt nach den israelischen Angriffen auf die Hisbollah und dem Sturz des Assad-Regimes in Trümmern. In dieser Form ist das Regime in Teheran keine Konkurrenz mehr, der Ist-Zustand ist für die Machthaber der Region also komfortabel. Im Falle eines amerikanischen oder israelischen Angriffs auf den Iran fürchtet man Vergeltungsmaßnahmen im Roten Meer, steigende Öl- und Gaspreise, Angriffe auf US-Basen am Golf, womöglich einen Bürgerkrieg mit Geflüchteten in der Region (siehe Syrien). Die Golfstaaten wollen aber Stabilität für die eigene Sicherheit und um Geschäfte zu machen.
Trump geht es nicht um Freiheit und Demokratie (und im Gegensatz zu früheren US-Präsidenten behauptet er das nicht), sondern um Machthaber, die tun, was er sagt. Er will nicht viel riskieren und kein dauerhaftes teures US-Engagement wie im Irak und in Afghanistan, sondern Deals. Trump möchte unliebsame Regime also nicht unbedingt stürzen, sondern unterwerfen. Sie sollen "stabil" im Innern sein (Menschenrechte egal), er will wirtschaftlich profitieren (mit seiner Familie) und Sicherheit für Israel. Dafür sucht er sich zu gegebener Zeit geeignete Führungsfiguren: nicht Exil-Oppositionelle, sondern Teile des alten Regimes (siehe Venezuela: Statt Oppositionsführerin Machado zu unterstützen setzt man auf Vizepräsidentin Rodríguez). Im Iran könnte es ähnlich laufen, bisher hält sich Trump gegenüber dem Shah-Sohn Reza Pahlevi zurück ("nett, aber nicht genug Rückhalt"), denkbar ist nach einer Art Putsch die Unterstützung von Teilen des Regimes: Man täuscht Pseudo-Reformen vor, erfüllt ein paar von Trumps Wünschen und das Leiden der Menschen geht weiter (die riskieren ihr Leben auch nicht, um einen "Gottesstaat" gegen eine Monarchie zu tauschen, vermute ich).
Israel hat noch eine andere Vision. Die Regierung Netanjahu möchte potenzielle Regionalmächte intern destabilisieren, damit sie schwach und mit sich selbst beschäftigt bleiben (siehe Syrien). Sie möchte Israel zum Hegemon aufbauen, der mit militärischer Dominanz und bilateralen Kooperationen im Bereich Sicherheitstechnologie (KI, Militärtechnik, Cybersicherheit) die Region dominiert. Nebenbei lenkt man von Gaza und dem Westjordanland ab: Je mehr Chaos anderswo desto ungestörter kann man die Besatzung und Besiedlung palästinensischer Gebiete vorantreiben.
In den Augen der anderen soll der Iran also entweder schwach und "stabil" bleiben, ein US-Vasall werden oder im Chaos versinken. Nichts, worauf die Menschen im Iran bauen und vertrauen könnten. Sie sind weiterhin auf sich gestellt und brauchen umso mehr Soldarität und Unterstützung von nicht-staatlicher Seite.