So, nachdem wir telefoniert haben, ist ein neues Detail klar geworden: der Motor geht nicht sofort aus, sondern mit etwa 2 Sekunden Verzögerung, das habe ich voll übersehen.
Das ist für mich ein ganz klares Indiz dafür, dass der Absteller nicht mehr in Ordnung ist. Das Gummi wird mit Sicherheit ausgefranst sein und lässt nach dem Abstellen noch etwas Diesel durch.
Ich habe in meinem Gedankenpalast in meiner Gedankenbruchbude nachgesehen und es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Elektronik das bemerkt und einen Fehler in Form einer brennenden MKL setzt. Ich hatte genau diesen Fehler selbst mal am XM, aber es ist schon zu lange her, als dass ich genau wüsste, ob da nun ein Fehler abgelegt wird oder nicht.
Mein Vorschlag wäre, den einfachsten Weg zu gehen: wenn ein Fehler der Abstellvorrichtung angezeigt wird, dann wird da auch einer sein. Alles andere lassen wir hoffnungsvoll mal gedanklich weg. Das Auto wird deswegen auch nicht stehen bleiben, sondern höchstens mal irgendwann nicht mehr ausgehen und muss abgewürgt werden.
Hier meine bebilderte Version, was ich an deiner Stelle tun würde (geht alles recht einfach ohne Ausbau der Epic):
1. Zuerst die obere schwarze Abdeckkappe der Epic abnehmen (2 Torx-Schrauben, glaube 20er):
Darunter sitzen zwei Magnetventile, oben auf der Epic. Der Absteller befindet sich aber seitlich. Deshalb muss die schwarze Plastikverkleidung seitlich auch ab. Hier sind aber die Hochdruckleitungen im Wege.
So sieht es darunter aus, die Position des Abstellers ist rot eingekreist:
2. Die Hochdruckleitungen lösen
Du musst die Hochdruckleitungen auf jeden Fall an der Epic selbst abschrauben (Überwurfmuttern ganz lösen) und auch an den Einspritzdüsen lockern, damit du sie spannungsfrei bewegen kannst. Notfalls ganz ausbauen. Nicht gewaltsam vorgehen. Vorher am besten mit Bremsenreiniger sauber machen und peinlichst darauf achten, dass kein Dreck in die Düsen, die Leitungen oder die Epic kommt. Auf dem Foto ist die Plastikverkleidung schon ab, dient nur zur Illustration.
3. Plastikabdeckung abnehmen
Die seitliche Abdeckung wird nur mit einer Schraube fixiert. Normalerweise sieht man die aber nicht gleich, weil ein Plastikstopfen drüber gestopft wurde. Den musst du vorher mit einem kleinen Schraubendreher rauspopeln. Normalerweise ist hier ebenfalls eine Torxschraube wie bei der Abdeckung oben, auf meinem Foto dagegen eine Inbus (weil ich die Schrauben, die irgendwer verbummelt hat, ersetzen musste):
4. Nichts kaputt machen
Hier ein Beispiel, was passiert, wenn man den Plastikstöpsel und die Schraube nicht findet und trotzdem wie gestört an der Abdeckung zerrt. Ich war es nicht, irgendein Vollpfosten halt. Aber man sieht noch den schwarzen Plastikstopfen (und Reste der Abdeckung):
5. seitliche Schrauben der Magnetventile lösen
Damit du jetzt an das Abstellmagentventil kommst, musst du die vier Schrauben seitlich lösen. Leg den Motorraum unterhalb der Epic mit Tüchern aus, damit dir nichts verloren geht, wenn was runter fällt.
6. Ventile anheben
Dann kannst du die beiden seitlichen Ventile mitsamt des Kabels vorsichtig nach oben klappen. Achtung, dass der Abstellstift dabei nicht einfach rausfällt und verschwindet. Dahinter ist eine kleine Feder. Auch die 3 O-Ringe werden vermutlich runterfallen, wenn sie nicht an der Epic oder den Ventilen festkleben. Hier brauchst du vorher schon Ersatz. Das Foto zeigt nur die leicht weggeklappten Ventile (der Absteller in dieser Pumpe fehlte schon, daher nicht zu sehen):
Hier sieht man das vollständig entfernte Magnetfentil für den Absteller. In dem markierten Loch steckt normalerweise der kleine Kolben (habe ihn zur Veranschaulichung oben rechts in der Ecke in das Bild montiert):
7. Absteller herausnehmen und Gummidichtung untersuchen
Dabei auf die Feder achten und nicht verlieren. Wahrscheinlich sieht die Dichtung dann so mies aus, wie auf nachfolgendem Foto. Dieser Absteller hat es hinter sich:
8. Guten Ersatz-Absteller einbauen.
Ohne Foto. Natürlich sollte man den vorher besorgt haben. In UK wollen die richtig viel Geld dafür (unverschämt viel), ich habe gestern 2 Restposten zu humanem Kurs in Deutschland gefunden und bestellt. Mal sehen.
Also: Absteller mitsamt Feder wieder in das Magnetventil zurück (Feder ins Ventil, Gummidichtung Richtung Epic), die 3 O-Ringe (vorher ebenfalls neu besorgt – Maße muss ich als alter Zahlenlegastheniker erst wieder raussuchen) an die richtigen Positionen an der Epic bringen. Am besten mit etwas Fett dort anbringen, damit sie kleben bleiben und nicht gleich bei der ersten Berührung runterfallen. Die 4 Befestigungsschrauben der Magnetventile würde ich nebenbei nicht ganz entfernen bzw. an dieser Stelle schon in ihre Führungshülsen schieben, dann hat man es etwas leichter mit der Montage. Ventile vorsichtig und zitterfrei aufsetzen, mit einer guten Lampe und ggf. einem Spiegel kontrollieren, dass man auch wirklich keinen O-Ring dabei wegdrückt, und dann die Schrauben eindrehen und anziehen.
Hier eine Zeichnung zur Veranschaulichung der O-Ringe (das Abstellventil ist rot eingekringelt):
9. Wenn es partout keinen Epic-Absteller mehr gibt
Man kann auch im Notfall einen Abstell-Solenoiden einer alten Reiheneinspritzpumpe oder irgendeiner altertümlichen Bosch-Pumpe besorgen und dort den Abstellkolben mopsen. Dazu braucht es aber erstens mal ein Teil, dessen Kolben halbwegs in Frage kommt und meistens noch eine Drehbank. Dann kann man das Teil auf den benötigten Durchmesser runterdrehen, die Federbohrung ggf. anpassen und die Länge. Aber das ist viel Trial & Error und kostet auch Geld, wenn man nicht weiß, was man kaufen soll. Ich habe das einmal erfolgreich gemacht, aber auch ein paar Euro in nicht passende Teile versenkt.
10. Zusammenbau und Entlüften
Jetzt wieder alles zusammenbauen. Ängstliche lassen die seitliche Plastikverkleidung der Epic weg (müssen dann aber später nochmal an die Hochdruckleitungen dran).
Die Hochdruckleitungen müssen spannungsfrei eingebaut werden. Zuerst alle Überwurfmutter an der Epic und den Einspritzdüsen nur mit den Fingern anziehen. Wenn alle Leitungen zufriedenstellend an ihrer Position sind, mit dem Schlüssel maßvoll abwechselnd an Epic und Düsen anziehen. Man kann sie auch zuerst nur an der Epic festziehen, wenn man sich ganz sicher ist, dass die Leitungen gut und spannungsfrei sitzen.
Zum Entlüften müssen dann aber die Überwurfmuttern der Leitungen an den Düsen wieder etwas gelöst werden. Dann Zündung an, mit der Handpumpe Druck aufbauen und mit dem Anlasser immer kurz den Motor drehen lassen (er wird nicht anspringen). Dann wieder an den Düsen gucken gehen: wenn Diesel an der Düsen-Überwurfmutter austritt, die Leitung festziehen (die ist dann entlüftet). Wieder die Handpumpe bemühen, Motor drehen, usw., bis alle Leitungen entlüftet und festgezogen sind. Dann sollte die Sache erledigt sein.
Fazit
Ich habe das jetzt sehr ausführlich geschrieben und bestimmt klingt das wie eine Riesensache. Ist es aber eigentlich nicht, wenn man auch nur ein wenig feinmotorisch begabt ist. Aber das muss jeder für sich selbst einschätzen. Ich kann nur sagen, dass ich das damals bestimmt 3 mal hintereinander gemacht hatte, weil immer irgendwas anderes war. Oder ich habe 3 mal hintereinander die Epic aus- und eingebaut. Ich weiß es nicht mehr...
Aber man bekommt spätestens beim zweiten Mal echt Übung und das Ganze geht relativ einfach. Ein Vorrat an O-Ringen für diesen Zweck schadet aber nie. Ich hoffe, die kleine Anleitung hilft dir.
PS:
Hat jemand gerade die Maße der benötigten O-Ringe greifbar? Dann muss ich nicht in meinem unorganisierten Verhau danach suchen :)