Hallo zusammen!
Nach einer längeren Pause als Cit-Addict und ACC (bis vor 15 Jahren waren GS, GSA, DS und CX meine Gefährten, dann kamen ein paar private Verwirbelungen dazwischen und der letzte vebliebene CX 2200 BJ 76 wurde bei einem selbst verschuldeten Unfall dahingerafft) hat mich vor etwas mehr als einem Jahr wieder die alte Nervosität befallen und nach Vernunft-, bzw. Langweilerautos (Xsara Picasso, Renault Scenic, Opel Meriva) musste wieder etwas mit "Swag" her. Der C6 hatte es mir schon länger angetan und je seltener er mir in freier Wildbahn begegnete, umso begehrlicher erschien er mir. Und wie es dann so kommt, wenn man mal zu stöbern anfängt, ist man bald fällig.... Der erste C6, der nicht allzu weit von meiner Heimat Rastatt anzuschauen war, war ein dunkelblauer mit beigem Leder, der in der Südpfalz von einem syrischen Mitbürger angeboten wurde. Der hatte noch drei oder vier weitere im Besitz, vielleicht hatte ja jemand aus dem Forum auch schon Kontakt zu ihm. Die Farbkombi hatte es mir mächtig angetan, aber wir wurden uns nicht einig bzw. ein anderer Interessent erhielt den Zuschlag.
Dann entdeckte ich in den Kleinanzeigen einen alu-silbernen Exclusive BJ. 06 aus erster Hand in Ulm, der nach Todesfall angeboten wurde. Silber empfand ich bis dahin als die "langweiligste" C6-Farbe, aber inzwischen bin ich geläutert und habe Gefallen an ihr gefunden. Vor Ort gab es dann ein Auto mit ein paar Mängeln (Batterie nahezu tot, Traggelenke vorne fertig), aber einer durchgehenden Werkstatthistorie. So waren Zahnriemen, Eolys, Thermostatgehäuse und einige der typischen to-do´s in jüngerer Vergangenheit gemacht und es gab recht neue Sommer- (auf fast neuen Felgen) und Winterreifen (auf den ziemlich mitgenommenen alten Felgen) dazu. Der Tacho zeigte 187000 km, Die Innenausstattung präsentierte sich fast makellos und das Preisbarometer wies nach kurzen Verhandlungen 4200 Euro aus.
Nun galt es eine Werkstatt zu finden, die nicht allzu weit entfernt sich des Schätzchens und vor allem der Traggelenke annehmen wollte. Von ca 10 angeschriebenen Citroen-Vertragswerkstätten im Umkreis von 70 km (zwischen Offenburg und Mannheim, auch Elsass), antworteten zwei positiv, der Rest gar nicht oder ablehnend. Unter den Positiven war Citroen Höhl (jetzt Minkin) in Speyer - dazu später mehr.
Letztendlich landete ich bei Andreas und Stefan Büsing in Au am Rhein, die ich aus früheren Zeiten kannte und schätzte. Andreas, selbst C5-Fahrer, nahm sich der anstehenden Arbeiten an und der C6 durfte bald wieder schweben. Ich wollte es kaum glauben, was diese beiden Traggelenke an Rumpeln und Schütteln verursachten, aber ab sofort war das Cit-feeling wieder da. Inklusive der kleineren und mittleren Zwischenfälle. Zuerst kam die Meldung "Abgassystem defekt". Laut Fehlerspeicher ein AGR-Ventil, das nicht mehr regelmäßig öffnet und schließt. Dann, während der ersten Urlaubsfahrt nach Frankreich, ein deutlich vernehmbares Turbopfeifen, auch bei langsamen Geschwindigkeiten. Der noch vor Ort gemachte Ölwechsel von 5W30 auf 5W40 brachte eine gewisse Linderung und bald ebbte das Pfeifen wieder ab (nicht vollständig, aber deutlich weniger).
Ich entschloss mich das Auto mal in Speyer von Herrn Minkin anschauen zu lassen. Das lief vorbildlich ab. Kurzfristige, freundliche Terminvereinbarung, Durchsicht und Probefahrt vom Chef persönlich, fachkundige Ratschläge, nichts aufgeschwatzt. Fazit: Turbopfeifen unkritisch, kommt evtl. vom nicht ganz schließenden AGR-Ventil und pflanzt sich möglicherweise durch die Schläuche und Leitungen fort. AGR nicht vor dem nächsten TÜV in einem halben Jahr bearbeiten, dann nochmal schauen. Kosten: Auslesen des Fehlerspeichers.
Nun kam die zweite Urlaubsfahrt nach Italien. Schon recht weit im Süden entdeckte ich nach dem Abstellen eine deutliche Kühlwasserpfütze unter dem Auto. Ok, Wasser nachgefüllt und auf dem Rückweg in Pisa zur Cit-Werkstatt. Die hatten das Auto zwar auf der Bühne und schienen bemüht, aber insgesamt ratlos und das Fazit war: "Selbst, wenn wir in den Tiefen des Motorraums das Leck finden, werden wir keine passenden Teile bekommen". Der ADAC ließ sich auch sehr lange Zeit zu entscheiden, ob anderweitig eine Reparatur oder der Heimtransport angestrebt wird, so dass ich mich nach 5 Tagen dazu entschied, mit genügend Wasservorräten und Kühlerdichtmittel aus dem Baumarkt die Heimreise anzutreten. Alle 100 km hielt ich an, aber nichts leckte mehr, das Zeug tat seine Wirkung.
Wieder rettete mich einer der Büsing-Brüder. Stefan fand heraus, dass der Kühlmittelflansch (so ein Plastikgehäuse / Schlauchverbinder) einen Riss hatte, und wechselte ihn.
Es war Sommer. Die Ferien standen vor der Tür. Alles schien in guten Bahnen zu verlaufen. Dann rannte mir ein Reh gegen die vordere rechte Stoßstangenecke. Glück im Unglück: Zum ersten Mal hatte ich eine Teilkasko abgeschlossen. Es sah eigentlich nicht so "wild" aus, aber die Voranschläge des Unfallinstandsetzers und dann auch des von der Versicherung bestellten Gutachters bekundeten: Wirtschaftlicher Totalschaden, Reparaturkosten 7000!!! Euro. Noch einmal Glück im Unglück: Der Gutachter setzte den Wert des C6 vor dem Unfall erfreulich hoch an, so dass ich mit der Auszahlungssumme die Reparatur anderweitig in Auftrag geben konnte und durch selbst organisierte Gebrauchtteile sogar noch etwas übrig blieb. Dadurch erfuhr ich z.B., dass es viele Teile in Litauen gibt und dass sowohl Preisgestaltung, Seriosität und Lieferzeit absolut in Ordnung sind. Mein favorisierter Händler, von dem ich Stoßstange, Blende, Blinker, Nebelscheinwerfer, Xenon-Steuergerät, Abstandsensoren usw. beziehen konnte, hat einen ebay-Shop und ist empfehlenswert.
Nach zwei Wochen war der C6 wieder fast wie neu. Und vom Restgeld gab es rundherum neue Bremsen, eingebaut von Büsing.
Nur das mit den Abstandssensoren hatten die Instandsetzer nicht in den Griff bekommen. Immer wieder gab es die Meldung "Einparkhilfe defekt" und beim Abbremsen piepsten die vorderen Sensoren auch ohne Hindernis. Zweiter Auftritt Höhl/Minkin. Anlässlich des TÜV-Termins fand man dort heraus, dass ein HINTERER Sensor defekt war und das ganze System beeinflusst hat. Nach dem Austausch (Litauisches Gebrauchtteil in richtiger Lackfarbe, 25 Euro, Einbaudauer Minkin 10 min) gab mir Herr Minkin noch den Tipp das vordere Nummernschild ganz eng an den Träger anzuschrauben, da dort die Sensoren sehr nah angebracht sind und ein nicht optimal montiertes Kennzeichen Störungen verursachen könnte. Seither ist Ruhe. TÜV gab es übrigens ohne großen Aufwand und weitere AGR- Interventionen auch noch.
Das klingt nun nach viel Umtrieb und Aufwand für die 12 Monate, aber ich sehe es so: Das mit dem Reh hätte mit jedem Auto passieren können, dafür kann der C6 nix. Die Traggelenke waren beim Kaufpreis mitverhandelt. Einen Defekt im Kühlsystem hatte ich mit vielen Fahrzeugen. Die 20 000 gefahrenen Jahreskilometer dürften vermutlich persönlicher Rekord sein, dies sei auch noch erwähnt. Und ich habe Autofahren selten so genossen (ok, in der DS und im Prestige natürlich schon). Das Turbopfeifen und das Aufleuchten der AGR-Warnlampe werden im Lauf der Zeit nicht schlimmer, sondern deutlich weniger. Dass man nach Teilen manchmal suchen muss wie nach der Stecknadel im Heuhaufen, ist halt so, aber that´s part of the game. Umso schöner, wenn es dann geklappt hat. Jetzt steht noch der Austausch des Wasserrohrs an, das hoffentlich demnächst aus Österreich geliefert wird. Da der C6 butterweich schaltet, sehe ich derzeit keinen Anlass, das originale Getriebeöl tauschen zu lassen. Aktuell bin ich sehr positiv gestimmt, was die nächste Zeit mit meinem daily driver angeht, auch wenn die Forums-Unkenrufe ("bei der Laufleistung baldiger Motortod" - "niemals Kurzstrecke" usw.) manchmal eine andere Sprache sprechen.
Allen C6-Fahrern hier "bonne chance"!