Es läuft gerade eine Doku nebenbei, von einer Menschenkette gegen die Stationierung von Pershings auf der Schwäbischen Alp.
Im Oktober 1983 war das. Da war ich grad gut zweieinhalb jährig.
Ich sehe die Bilder mit gemischten Gefühlen. Einerseits mit einem Lächeln. Wie schön doch rein symbolische Kundgebungen und das Gerede von einer unglaublichen Kraft ist. - Und doch schreibe ich diese Zeilen mit andeutungsweise Gänsehaut. - Noch eine Generation später und mehr als 40 Jahre danach!
Mit Blick auf aktuelle Geopolitik aber wird das gönnerhafte Lächeln zu einem seeligen. - Immerhin waren die Fronten klar, der Ami hatte eine klare Haltung, und wo die Bösen waren, war auch klar.
Das Lächeln versteinert beim Weiterdenken. Denn die Fronten sind nur im Nachhinein klar. Heute wissen wir, dass die Stasi die Finger auch noch mit im Spiel hatte. Und ein paar andere auch.
Und was machen wir hier und heute? - Wir lassen uns ablenken, täuschen, desinformieren! Woher ist da egal. Was macht es für einen Unterschied, ob Putins Trolle oder Iranische Profi-Terroristen uns via Social Media manipulieren?
Dabei hätten wir es heute leichter, die Uebersicht zu behalten. Ich zum Beispiel merke auch ohne Google, wenn hier agiert wird. Es bleibt natürlich zunächst unklar, von wo her und wozu im Detail, aber wer Deutsch kann, der merkt am unüblichen Vokabular, dass da KI ihre Tentakel ausstreckt, und der eine oder andere Text sicher nicht auf deutsch geschrieben wurde, der hier auf Deutsch stehen will.
Macht doch bitte nicht aus jedem Heissluftföhn ein Buschfeuer.
Dazu: Wir sind eben nicht auf die Medien um den eigenen Kirchturm rum beschränkt. CNN und BBC kann ich live empfangen; brauche nicht auf die Übersetzung und Einordnung durch ARD, ZDF, ORF und SRF zu warten. Weder bei den ICE-Schiessereien, noch beim Iran-Krieg.
Und es gibt ja auch noch welche, die können nicht nur Französisch, Englisch, Deutsch und ein paar Brocken Spanisch...
p.s.:
Dann löst sich die Versteinerung: Symbole sind eben doch wichtig, nicht nur bei der Beerdigung meines geliebten Papa, vorgestern.
Wo bleibt das alles? Merken wir denn nicht, dass nicht nur die Treibstoffpreise geschichtsträchtig sind - nicht weil sie steigen, sondern, weil sie lange so niedrig waren. Man sagt, um die russische Kriegskasse auszutrocken...