Auch am Wochenende sind die Schnellfahrer selten geworden. Den Trend beobachte ich schon seit einigen Jahren, und jetzt mit den hohen Spritpreisen ist es besonders deutlich. Gerade am Sonntagabend (18:00 bis 01:00) bin ich 650 km Autobahn von Ludwigshafen bis Lübeck gefahren, und eine Woche zuvor am Samstag (8:00 bis 15:00) die Gegenrichtung. In den doch längeren unbegrenzten Abschnitten war der Tempomat immer auf 120 (nach GPS) eingestellt. Die Anzahl der Fahrzeuge, die mich mit wesentlich mehr als ein paar km/h Unterschied, also deutlich über 130 km/h, überholt haben, konnte ich jeweils an zweieinhalb Händen abzählen. Und das, obwohl streckenweise wirklich wenig los war. Durchschnittsgeschwindigkeit war 110 km/h, Verbrauch nach Bordcomputer 5,3 l/100 km, also realistisch ca 5,6. Ohne Gegenwind und mit nicht so vollgeladener Karre geht normalerweise ein halber Liter weniger. Als ich es auf der Route mal eiliger hatte (unterwegs ungeplante Zwangspause, und man will ja noch die Fähre erreichen) und auf den freien Abschnitten fuhr, was ging, also so 150-180 km/h, war die Durchschnittsgeschwindigkeit auch nicht höher als 122 oder 123 km/h. Beim Verbrauch dann aber 7,x. Für den einzelnen, der seine Fahrweise grundsätzlich umstellt von immer so schnell wie (legal) möglich auf gechillt aber nicht lahm, ergibt sich also ein ziemliches Einspar-Potential an Kraftstoff, Streß und potentiellem Risiko. Dafür ist man nicht ganz eine Stunde länger unterwegs, und das bei dieser Distanz. Für die Umwelt und das Klima wäre es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, weil die wirklichen Schnellfahrer sich im einstelligen Prozentbereich des Gesamtverkehrs bewegen. Die veröffentlichen Statistiken* weisen zwar einen höheren Prozentsatz aus; der basiert allerdings auf Tomtom-Daten, die vor allem von jungen, eher höherwertigen Autos gesammelt werden, welche unter den Schnellfahrern wiederum überrepräsentiert sind. Das steht sogar als Fußnote unter der Statistik. Vor allem aber würde ein Tempolimit den Verkehrsfluß gleichmäßiger machen und damit viele Staus verhindern. Allein deswegen müßten eigentlich alle dafür sein, die gerne schneller ankommen, und zwar nicht nur nachts wenn die Bahn sowieso frei ist. Dazu noch ca. 10-20 Unfalltote weniger pro Jahr. Das klingt nicht viel, aber es kommen noch etliche Verletzte hinzu, und wäre außerdem quasi gratis zu erreichen, ohne wirklichen Verlust für irgendjemanden. Dafür verpasse ich halt dann doch einmal alle zehn Jahre die Fähre, damit könnte ich leben. *Quelle z.B. hier, leider mit Paywall: https://www.spiegel.de/mobilitaet/tempolimit-debatte-wo-auf-deutschlands-autobahnen-gerast-wird-a-7ed52266-2627-42f6-b05d-ae9aa1c6205d