Beim Zerschrauben nehme ich mir immer genügend Zeit, alles ganz genau anzuschauen. Jetzt ist der Zeitpunkt zu beurteilen, was gut, was verdächtig und was kaputt ausschaut. Wenn alles angefasst wurde und zerlegt ist, sind viele Spuren bereits verwischt. Prinzipiell liegt mein Hauptaugenmerk darauf, während des Zerschraubens Schäden bzw Leckstellen zu dokumentieren. Das muss schließlich anschließend alles repariert werden. Auch werden Dinge vorsorglich repariert werden, unabhängig davon ob sie gerade "kaputt" oder "ganz" erscheinen- dazu zu gegebenem Zeitpunkt aber mehr. Zusätzlich versuche ich jedes kleine Fitzelchen an Informationen zu identifizieren, was bereits wo dranherumgeschraubt wurde. Wir haben hier ein 30 Jahre altes Fahrzeug. Niemand weiß, was repariert wurde, was kaputt ist, was ganz ist, was fehlt, was nicht am richtigen Ort ist. Viele XM wurden als Verbrauchsfahrzeuge billig heruntergeritten. Niemand weiß, wer da vorher alles dranherummontiert hat. Viele am XM-Herumschraubende hatten offensichtlich keine entsprechende Qualifikation besessen. Bei manchen Dingen frugte ich mich, ob der Mechanikierende überhaupt als Rasenmäherreparateur qualifiziert gewesen wäre. Ich schaue mir also ganz besonders an: Wo sind Plastikteile zerbröselt worden oder verschwunden gegangen? Wo fehlen Schrauben, bzw wo sind falsche Schrauben eingebaut? Wo sind Leitungen verbogen, Kabel falsch verlegt, Stecker lose? Wo sind Kabelbinder hinzugefügt worden? Wo fehlen Halterungen? Wo sind offensichtlich Ersatzteile eingebaut worden? Mir geht es dabei primär um die Klärung der Frage: Warum. Was wurde dort repariert. Und dort sollte man dann genau hinschauen, um zu gucken dass das richtig gemacht wurde. Es folgen ein paar Beispiele: Haltelasche Heckstoßstange nicht korrekt befestigt. Stoßstange war demontiert und wurde nicht wieder korrekt montiert. Warum war die Stoßstange demontiert? Abblätternder Lack an der Stoßstange Radlaufkante. Schaut nach lackiertem OE-Ersatzteil und einem etwas eiligem Lackierer aus. Ein Blick dahinter zeugt ebenfalls von einem Ersatzteil. Indiz Halteblech schwarz beschichtet. Original ist gelbverzinkt (heute also meist Eisenoxid-Braun). Warum wurde hier eine neu lackierte Stoßstange eingebaut? Keiner weiß es. Hier muss man sich also ganz genau die Längsträger zwischen der hinteren Hinterachsbefestigung und dem Heckabschlußblech angucken ob man da Verformungen erkennen kann. Das Heck des XM besteht aus Büchsenblech. Auch die Spaltmaße Hecktüren - Kotflügel kontrollieren. Einen gröberen Heckschaden erkennt man schon von oben durch komisch schließende Heckklappe oder Hintertüre. Hier hats eine feuchte Stelle um eine Verpressung an einer Hydractive-Leitung. Es besteht der dringende Verdacht, dass die Verpressung undicht ist. Andere Ursachen sind wenig wahrscheinlich, ringsrum ist sonst nix schmutzig, kein kleines bisschen. Neuteil nicht zu bekommen. Schneidringreparatur mache ich hier nicht, nicht an dieser Stelle. Gebrauchtteil kann dicht aber auch undichter sein, Austausch bedeutet Motor raus. LecWec kann funktionieren, muss aber nicht. Es wird zärtlich nachgepresst werden. Und LecWec kommt dann sowieso ins LHM. Die Abschirmbleche an der Hinterachse sind auffällig verbogen und zerknittert. Warum? Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass die Bleche (vermutlich) nicht mit den originalen Schrauben/Unterlegscheiben befestigt sind. Die Einstellbleche zwischen Stabi und Schwingarm sind evtl normalerweise nicht von unten eingesteckt (glaube ich, muss ich nachgucken). Die Federstecker der Stößelstangen im Schwingarm sind beweglich und leicht vergrießgnaddelt. Irgendeiner armer Wicht hat sich da wohl vorher mit rumärgern dürfen. Kann mir ein Bendix-ABS-Auskenner sagen ob dieses am Durchgang im Blech doch eher recht straff gespannte ABS-Sensorkabel orignal so sein soll? ATE/TEVES ist da jedenfalls enstpannter verlegt. Was hier genau gemacht wurde wird sich erst offenbaren, wenn hier die Schwingarme aus der Achse rausgenommen worden sind. Und das, heute bereits im Keksfaden gepostet. Steuerriemenwechsel mit der Flex. Sieht ja niemand, weil normalerweise hinter der Radhausverkleidung versteckt. Der nächste Mechaniker siehts, zuckt kurz mit den Schultern, macht weiter seine Arbeit. Warum ich dazu tendiere, hierfür einen "Profi" verantwortlich zu machen? Der gleiche hellgraue EP-Primer ist an wenigen weiteren, eher versteckten Stellen zu finden. Stellen, an denen der Hobbyschraubende eher weniger herumlaboriert. Zudem tendiert der Hobbschraubende zu großzügigerem Einsatz, wenn er denn schonmal die Buddel in der Hand hat. Und tendenziell würde dann eher Rostschutz rotbraun als EP hellgrau zum Einsatz kommen. Ich bezweifle, dass der Fahrzeugbesitzende davon unterrichtet wurde, dass an der crashrelevanten Struktur seines Fahrzeugs herumgeschnitzt wurde. Unter anderem wegen solcher Dinge meine ich: genau hingucken. Je genauer, desto besser. Grüße an die, die bis hierhin durchgehalten haben. Belohnung folgt: schwinges Geheimtips: Zum Lösen der Antriebswellenzentralmutter die Bremsscheibe auf der Radnabe mithilfe zweier Radschrauben (egal ob Flach- oder Kegelbund) und zwei Muttern M14 festrattern. Danach kann die Zentralmutter mit dem Ugga-Dugga losegeschraubt werden. Die zwei T27 Halteschrauben der Bremsscheiben bekommt man eigentlich immer lose, sofern man sich nicht zu blöd anstellt. Wenn sich nix tut, ein paarmal fleißig mit nem großen Durchschlag draufherumklöppeln und nochmal versuchen. Wenn die Schraube dann nicht locker ist, hat man nicht fest genug geklöppelt. An manche Schrauben kommt man aber nicht dran. Wenn man weder klöppeln noch Hitze geben kann, wie an so einer Stelle wie im zweiten Foto. Und sich weder mit zärtlich vor oder zurück überhaupt garnix bewegt. Und man auch von hinten nicht drankommt dann reißts ab. Wer hat hier auch schonmal auf festgerostete und abgerissene ABS-Sensorschrauben hintendrauf Muttern geschweißt um diese "nach innen" auszubauen - bei eingebauter Antriebswelle? Solche Stellen an denen Folgearbeiten zu erledigen sind markiere ich mit Klebeband. Die Teile werden ja weggestapelt und irgendwann zum Wiedereinbau vorbereitet. Da will man dann sowas wie einen im Gewinde steckenden Schraubenrest nicht übersehen. Denn den findet man dann erst wieder wenn das Teil eingebaut ist und man das nächste oder übernächste dranschrauben will.