Ich habe mir den Song gerade angehört und ziemlich viele Gedanken gingen mir dabei durch den Kopf. Die Demo gegen die Republikaner, bei der ich einfach da stand und übelst von der Polizei zusammen geschlagen wurde. Komplett ohne Grund. Incl. Versuch mir die Zähne am Gehweg wegzutreten. Fazit: € 2000,-- an einen Polizeiverein durfte ich zahlen und ein Pazifist weniger auf dieser Welt. Alles wurde gefilmt, von der Polizei selbst. Vor Gericht fehlten nur die Stellen, die zeigten, wie ich geschlagen wurde. Sogar, dass ich mit dem Rücken zu den Beamten stand, war deutlich zu sehen. Sowas schafft Vertrauen in Polizei und Justiz. Sivio Meier, erstochen in unserer U-Bahnstation - 4,5 Jahre Knast für den Nazi. Wie waren noch mal die Urteile gegen Lina E. und Co? Oder wie kommt der Freispruch der NSU Unterstützerin zustanden? Wieviele Tote hatte sie auf dem Gewissen. Und wie lange wurde die Gruppe von Teilen der Polizei und der Geheimdienste gedeckt? Oder die Demo gegen den Rudolf Heß Marsch vor ein paar Jahren hier in Friedrichshain. Wo sehr junge SchülerInnen die falsche Seite (die Nazis gingen auf der Gegenrichtung) einer achtspurigen Straße blockierten und übelst von der Polizei verprügelt wurden. Die Nazis gingen auf den vier freien Spur an dem Gemetzel vorbei. Gleichzeitig rannte ein Nazi auf mich zu um mir ein "Dich vergasen wir auch noch" entgegen zu brülen. Meine Aufforderung an die umstehenden Beamten, diesen Mann anzuzeigen und aus der Demo zu entfernen, endete mit der Androhung des Kontaktbeamten, mich wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt einzufahren. Er wurde von einem (netten) Kollegen weggedrängt, sagte nochabschliessend zu mir, "und recht hat er, es wird Zeit das man euch vergast". Der nette Beamte war im übrigen genauso fassungslos und sichtbar in diesem Moment nicht gerne an diesem Platz. Oder als das Jugendzentrum meiner jungen Jahre von Nazis überfallen wurde und sie mit einer Kettensäge versucht haben durch die Stahltür im Keller zu uns zu kommen - die angerufene Polizei, fünf Minuten entfernt, ist nicht gekommen. Und die Presse schrieb von Auseinandersetzung von Jugendlichen. Dabei war die Naziszene um Hannover für ihre extreme Gewallt damals schon bekannt. Mir fällt Rostock ein, die Demo nach dem Terror vor dem Sonnenblumenhaus. Ein Wagen mit Nazis fuhr auf einen großen Parkplatz, auf dem hunderte von Demonstranten sich versammelten. Und fuhr einfach durch die Menge. Diese Bilder werde ich nie vergessen. Auch dass es einen jungen Mann in meinem Alter so stark getroffen hat, dass er mit schwersten Behinderungen leben muss. Das Urteil: Verkehrsunfall.... Das Attentat auf das Oktoberfest und die Kontakte von Hoffmann tief in die Bayrische Staatskanzlei hinein. Habe es nie verstehen können, dass das immer noch nicht aufgeklärt ist und Hoffmann dafür nie zur Rechenschaft gezogen wurde. Wie auch nicht für die meisten anderen seiner Taten. Die Fahrzeuge der Wehrsportgruppe Hoffmann standen stilsicher in Nürnberg in einem Depot auf dem Reichsparteitaggelende - direkt angrenzend das Depot der Polizei für beschlagnahmte Fahrzeuge. Zufälle gibt es.... Ich erinnere mich, wie ich am Bahnhof in Hannover von Nazis eingekreist wurde und sie mir sagten, dass ich jetzt dran sei. Das, wenige Tage nach dem Mord an Roger Bornemann (selbst in der Naziscene aktiv - wollte wohl aussteigen) durch Nazis in Hannover 1987. Zu der Zeit konnte ich noch schnell rennen... Wie viele Ermordete durch rechte Gewalt gab es seit 1990? Etwas über 200 Menschen sind ermordet worde. Weil sie sich für Demokratie einsetzen, Obdachlos waren, aus einem anderen Land kamen oder nicht arisch genug aussahen oder einfach nur am falschen Ort waren. Dazu kommen tausende von Verletzte, wie zum Beispiel der junge ukrainische Student - das Urteil für die Tat, bei der das Opfer über Stunden malträtiert und nur durch Zufall überlebte: 4 Jahre und drei Monate. Nur eine kleine Zeitung in Neuruppin berichtete überhaupt von der Tat. Und bei den Morden sind Menschen wie z.B. Oury Jalloh und zwei weitere "durch Zufall" in diesem Gefängnis gestorbener Menschen nicht dabei. Aber was soll man noch hoffen, wenn in einem Land der Chef des Inlandgeheimdienstes offen mit Faschisten schmust. Wenn es ein Gesetz gegen verfassungsfeindliche Parteien gibt, das nicht angewendet wird, weil a) Partei zu klein und bedeutungslos oder b) zu groß, das kann man doch mit den Wählern nicht machen. Nicht angewendet ist aber auch nicht ganz richtig - die bedeutungslose KPD (90.000 Mitglieder), um die 5% der Stimmen bei Wahlen, wurde 1956 verboten. Incl. Berufsverboten von DKP-Mitgliedern bis in die 1980 Jahre. Einer NPD oder den Republikanern oder der AFD wird das trotz nähe zu Gewalt, Morden und offenem Demokratiehaß nicht passieren. Nicht, dass ich etwas für die KPD oder DKP übrig hätte - zweierlei Maß zeigt mir aber doch deutlich, wohin die Reise gehen wird. Das und hunderte anderer Dinge gingen mir durch den Kopf. Keine Angst - danke Dir für dieses Stück