Ja, Deinen - den von Autonom nicht. Was Zufall war, einfach um Interpretationen zuvor zu kommen. Ich glaube nicht, dass ich mich hier als sich über alles lustig und nichts ernst nehmender Mensch darstelle. Warum man auch bei einem ernsten Thema etwas nicht auf die Schippe nehmen darf, bleibt mir als Frage im Kopf hängen. Aber genau diese Art, jedes Wort unbedingt falsch, sprich negativ, verstehen zu müssen, verstehe ich nicht. Ich sehe bei Dir zunehmend die Suche nach dem Trennenden und nicht nach dem Verbindenden. "Kannst Du machen" - ich ziehe nach wie vor den Weg vor, erst einmal die Gemeinsamkeit zu definieren. Und im Zweifel lasse ich auch mal einen mich störenden Satz einfach so stehen. Weil ich keinen Sinn darin erkennen kann, als letzter und einziger Aufrechter auf dieser Welt, alleine vor dem ganzen Scheiß zu stehen. Und auch da vorbeugend: ich habe eine ziemlich klare Vorstellung von dem, was ich will und halte nichts von Beliebigkeit oder Fähnchen im Winde. Ich vergesse allerdings nicht das, worum es mir geht; hier andere Meinungen zu verstehen und vielleicht den oder die Eine oder Andere, zu einer Korrektur bei Antworten zu bewegen, die ich so nicht richtig finde. Die Welt ein bisschen netter machen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass Dich eine inhaltliche Auseinandersetzung dazu interessiert. Ich lese von Dir eher, die islamischen Verbände machen nichts oder viel zu wenig und wenn ich dass anders sehen, dann darf ich das. Aber mehr auch nicht. Was soll ich Dir auf soetwas erwidern? Interessiert Dich überhaupt, worum ich einen leicht anderen Blick darauf habe? Nebenbei: ich finde, sie machen viel zu wenig. "Wenn man das Wort vermeidet, hat man ein Problem offensichtlich." Wenn man die Erklärung der islamischen Dachverbände lese, werde einem das Motiv des Täters nicht klar. Zitiert aus dem von Dir verlinkten Artikel. Sehr schön: etwas sehr konkretes fordern und gleichzeitig "man" schreiben. Gut, passiert. Aber gerade er, als wirklich (in meinen Augen) sehr guter Politiker mit einem ausgesprochen gutem Gefühl für Zusammenhänge und auch für das, was Menschen hören wollen, fällt etwas in das Letztere - er macht eine Aussage, die offensichtlich gefallen. Das geht mir zu weit in Richtung Populismus oder von mir aus auch "was man gerade hören möchte". Warum ich das denke ist recht einfach geschrieben: Özdemir weiß sehr gut, wie die islamischen Verbände funktionieren, welche schwierig und welche kooperativ sind. Er kennt auch die Probleme, das liberale Verbände durch Landes- und Bundespolitik teilweise kalt gestellt worden sind. Erdogan treue Gemeinschaften und Verbände wurden unterstützt, der Versuch Erdogan unabhängige Imame auszubilden und so die nicht autoritären und liberaleren (weltoffenen) Strömung zu stützen, ging leider ziemlich nach hinten los. Zumindest was die ersten Jahre anging, danach kann ich es nicht beurteilen. Er sollte wissen, dass diese Bemerkung, den Islamisten völlig egal und für die große Mehrheit der Gläubigen problematisch ist: sie stehen im Generalverdacht offen oder heimlich mit den Islamisten zu paktieren und zumindest eine klammheimliche Freude zu empfinden. Und leider transportiert diese Art der Kritik dieses Unwahrheit weiter. Eine Unwahrheit, die gerne von rechten Medien und Politikern bei jeder Gelegenheit durch die Lande gehustet wird. Und was soll ein Muslim für Worte wählen? Irgend etwas fehlt immer, irgendwas ist anders besser formuliert, irgendwie kann das richtige Wort auch falsch verstanden werden.... Seit wann gehen wir als Gesellschaft oder als Staat fair mit Schwulen und Lesben um? Gut, wenn bei uns der Groschen immer noch nicht den Boden berührt hat, müssen Andere natürlich nicht noch langsamer sein. Das ist Richtig. Und wie weit unterscheidet sich die katholische Kirche in diesem Punkt von vielen islamischen Verbänden? Auch hier ist die katholische Kirche kein Maß, besser geht immer und ist erwünscht. Cem Özdemir weiß sehr gut, dass Veränderungen (leider) Zeit brauchen. Und er weiß sehr genau, dass die Unterstützung liberaler Verbände effektiver ist und er damit auch Gläubige ansprechen würde. Und er weiß auch sehr genau, dass ein Teil der Probleme, des Stillstandes, massiv von "unserer" Seite produziert oder zumindest gefördert wurde. Warum ist man politisch nicht das Problem der Ausbildung von Imamen angegangen? Der Einfluss von Erdogan ist fatal. Warum gibt es keine Kindergartenpflicht für alle Kinder ab einem Alter von 2 (?) Jahren - Kinder als privaten Besitz zu sehen und die späteren Probleme schön der Gesellschaft zu überlassen, nervt mich auch bei anderen Gläubigen oder der "zurück an den Herd" Fraktion aus Bayern und Co. Verbindlicher Religionsunterricht als Vermittlung von Wissen. Vorallem, dass nicht ständig von schärferen Gesetzen und ähnlichem gefaselt wird, sondern die bestehenden Möglichkeiten einfach mal genutzt werden. Spontan fällt mir einiges mehr dazu ein, es sprengt den Text noch mehr. Und ja, deutlichere Worte und vorallem Handlungen wären schön und nötig. Fände ich auch. Dazu hätte Cem Özdemir auch einfach alle Kirchen zu einer gemeinsammen Stellungnahme und einem öffentlichen Zeichen bitten können. Es ist halt immer die Frage, ob ich nur so tue oder ob ich wirklich mache. Ein öffentliches Anprangern in einer sehr chaotischen Situation klingt gut. Aber wird die gesetzten Erwartungen bei den Einen nicht erfüllen und auf der anderen Seite eine stärkere Separierung fördern. Wem nützt das? Und noch einmal: ja, mich nervt es auch, das wir über Selbstverständlichkeiten wie sexuelle Selbstbestimmung von Menschen überhaupt noch reden müssen. Das Menschen Angst haben müssen, weil sie lieben und Haß zunehmend kein Problem darstellt. Und micht nervt auch die Teilnahmelosigkeit und das vorauseilende Gekrieche - da sind wir uns wohl sehr einig. Aber wenn ich diese katastrophalen Mißstände ändern möchte, muss ich Menschen mitnehmen und Wege suchen, die uns stärken und nicht weiter fragmentieren. Kotzt mich auch an - aber ich weiß es nicht besser. Liebe Grüße, ich gehe jetzt mit Pfeil und Bogen meinen inneren Frieden suchen