cleanthinking.de 20 Terawattstunden Wärme im Jahr verschenkt. Und Katherina Reiche will, dass das so bleibt. Deutsche Rechenzentren geben heute über 97 Prozent ihrer Abwärme ungenutzt an die Luft ab. Bis zu 70 Prozent davon wären laut Fraunhofer ISI nutzbar, etwa für Fernwärmenetze. Genau dafür hat der Bundestag 2023 eine Pflicht beschlossen: ab Juli 2027 mindestens 10 Prozent Abwärmenutzung, ab 2028 mindestens 20 Prozent. Die Wirtschaftsministerin will diese Pflicht jetzt aushebeln. Ihre Novelle des Energieeffizienzgesetzes (Bundestagsdrucksache 21/8027) öffnet gleich vier Hintertüren: - Wer behauptet, der Anschluss ans Wärmenetz sei unwirtschaftlich, ist von der Pflicht befreit. - Die Ökostrompflicht rutscht von 2027 auf 2030. - Als Rechenzentrum gilt eine Anlage erst ab 500 statt 300 Kilowatt. - Der Effizienzwert PUE darf bei Neubauten von 1,2 auf 1,3 steigen. Die Rechnung dafür zahlt das Land: Bis 2045 rund 5,8 Milliarden Euro, weil die entgangene Wärme dann mit Gas erzeugt werden muss. Die gelockerten Effizienzwerte allein verbrauchen bis 2045 zusätzlich 42 bis 75 Terawattstunden Strom. Rechnerisch sieben neue Gaskraftwerke, sagt Leonard Burtscher vom Umweltinstitut München. Das Absurde daran: Die Lockerung braucht niemand. Hetzner liegt bei einem PUE von 1,10 bis 1,16, Google bei 1,09, Microsoft bei 1,12. 40 Prozent der 319 registrierten Rechenzentren erfüllen den strengeren Wert schon heute. Und wer hat laut LobbyControl und Campact am lautesten für die Lockerung getrommelt? Microsoft, Google und der US-Betreiber Vantage. Konzerne, die den Standard längst erfüllen, lassen sich von Reiche die Latte tiefer legen. Das Umweltinstitut München hält die Novelle sogar für möglicherweise verfassungswidrig: Deutschland verfehlt sein EU-Effizienzziel bereits mit dem geltenden Gesetz. Reiche vergrößert die Lücke. Am 5. Oktober berät der Wirtschaftsausschuss im Bundestag. Noch ist das Gesetz nicht durch.